Unterhaltung

„Papa … er hat mir wieder wehgetan“ – zwanzig Minuten später stand ich in der Villa meines Schwiegersohns

Richard öffnete den Schrank und holte eine schwarze, abschließbare Metallkassette heraus, deren Ecken von jahrelangen Einsätzen und Umzügen gezeichnet waren. Darin lagen seine Dienstpistole, sein alter Truppenausweis und ein versiegelter Umschlag, den Emma ihm zwei Jahre zuvor gegeben hatte.

„Falls ich dich jemals anrufe und sage, dass er mir wieder wehgetan hat“, hatte sie damals leise gesagt, „öffne den.“

Seine Hände verkrampften sich.

Während er zu seinem Wagen eilte, riss er den Umschlag auf.

Darin befanden sich Fotos von blauen Flecken, Kopien ärztlicher Befunde und eine Liste mit Datumsangaben. Ganz unten hatte Emma einen einzigen Satz geschrieben:

Alexander hat den Polizeipräsidenten auf seiner Seite, aber die Wahrheit gehört ihm nicht.

Richard wählte während der Fahrt den Notruf 110, nannte die Adresse und verlangte, dass sofort Einsatzkräfte dorthin geschickt wurden. Zwanzig Minuten später schoss sein Wagen durch das eiserne Tor von Alexander Königs Villa.

Die Haustür stand offen.

Drinnen lagen zerbrochene Osterdekorationen über dem Marmorboden verstreut. Ein Esszimmerstuhl war umgestürzt. Am Rand eines weißen Teppichs waren Blutspuren zu sehen.

„Emma!“, rief Richard.


Von oben kam ein schwaches Wimmern.

Er nahm immer zwei Stufen auf einmal, doch auf dem Treppenabsatz erschien Alexander in einem makellosen dunkelblauen Anzug und richtete völlig gelassen seine Manschette.

„Sie hat wieder einen ihrer Anfälle“, sagte Alexander. „Du solltest gehen, bevor du sie noch mehr bloßstellst.“

Richard sah das Blut an Alexanders Fingerknöcheln.

Dann taumelte Emma hinter ihm aus dem Schlafzimmer. Ein Auge war zugeschwollen, und sie hielt sich die Rippen, als wäre selbst das Atmen schmerzhaft geworden.

Richards militärische Ruhe wurde kälter als jede Wut.

„Geh weg von meiner Tochter.“

Alexander lächelte.

„Weißt du eigentlich, wer ich bin?“

„Ja“, sagte Richard. „Ein Mann, der Einfluss mit Unantastbarkeit verwechselt.“


In der Ferne näherten sich Sirenen, doch Alexander zuckte nicht einmal.

Als Erster betrat Polizeipräsident Daniel Hartmann das Haus. Alexanders Lächeln wurde breiter.

„Herr Polizeipräsident“, sagte er, „nehmen Sie diesen Eindringling fest.“

Hartmann sah Richard an.

Dann Emma.

Zu Richards Überraschung zog der Polizeipräsident seine Dienstwaffe – und richtete sie direkt auf Alexander.

„Alexander König“, sagte Hartmann, „Sie sind vorläufig festgenommen.“

Alexanders selbstsichere Miene zerbrach.

Doch bevor sich jemand bewegen konnte, flüsterte Emma:

„Papa … er ist nicht der Einzige.“


Sie deutete auf die verschlossene Kellertür.

Und von der anderen Seite begann plötzlich ein Kind verzweifelt gegen die Tür zu hämmern.

**Fortsetzung folgt — klicke auf Teil 3, um weiterzulesen.**

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