Unterhaltung

Sie Verspotteten Die Marineoffizierin Wegen Eines Roten BHs – Doch Dann Enthüllte Sie Ein Tödliches Netzwerk Auf Dem Stützpunkt

Mara starrte auf das Foto in der Hand des Zugführers.

Für einen Moment schien alles andere in der Kneipe zu verschwinden – die gedämpften Stimmen, das Klirren von Gläsern, sogar das Geräusch der Tür, durch die Riedel gerade abgeführt worden war.

Nur der rote Kreis um ihr Gesicht blieb.

„Woher haben Sie das?“, fragte sie.

Der Zugführer antwortete nicht sofort.

Stattdessen hob er langsam die andere Hand, offen, sichtbar.

„Mara, ich greife nicht nach einer Waffe.“

Der Kommandeur trat einen Schritt vor.

„Oberleutnant Brandt. Legen Sie das Foto auf den Tisch.“

Brandt gehorchte.


Jetzt konnte Mara es genauer sehen.

Es war kein offizielles Dienstfoto. Die Aufnahme zeigte sie am Bahnhof, vermutlich am Morgen ihrer Anreise. Sie trug Zivilkleidung, hatte eine Reisetasche über der Schulter und blickte gerade auf ihr Handy.

Jemand hatte sie beobachtet, bevor sie überhaupt den Stützpunkt betreten hatte.

Auf der Rückseite standen drei handschriftliche Zeichen.

K-17.

Darunter ein Datum.

Der Tag ihrer Ankunft.

Und daneben nur ein einziges Wort:

„Verlust.“

Mara hob den Blick.


„Sie wussten davon.“

Brandts Gesicht wirkte plötzlich älter.

„Seit gestern.“

„Und Sie haben mir nichts gesagt.“

„Weil ich nicht wusste, wem ich trauen konnte.“

„Also haben Sie entschieden, dass ich es auch nicht wissen durfte?“

Brandt hielt ihrem Blick stand.

„Ich habe entschieden, dass ich Sie nicht in Panik versetzen wollte, solange ich nicht wusste, ob das eine Drohung, ein schlechter Scherz oder etwas Reales war.“

Mara lachte nicht.

„Jemand markiert mein Gesicht rot, schreibt mich auf eine Verlustliste und verfolgt mich bis zum Bahnhof. Und Sie nennen es möglicherweise einen schlechten Scherz?“


Der Kommandeur unterbrach sie.

„Genug. Wir klären das auf dem Stützpunkt.“

Wenige Minuten später saßen sie in einem kleinen Besprechungsraum im Verwaltungsgebäude.

Der rote BH lag inzwischen in einem Beweisbeutel.

Riedels Datenträger in einem zweiten.

Das Foto in einem dritten.

Mara saß aufrecht am Tisch. Brandt ihr gegenüber. Der Kommandeur am Kopfende. Neben ihm zwei Offiziere des Militärischen Abschirmdienstes.

Einer von ihnen, Major Seidel, schob Mara einen Ausdruck zu.

„Das ist die Verlustliste, von der Hauptfeldwebel Riedel gesprochen hat.“

Mara blickte darauf.


Es war keine offizielle Verlustmeldung.

Es war eine interne Übungsübersicht.

Eine Liste mit Namen von Teilnehmern, Kennnummern und Rollen innerhalb eines komplexen Szenarios, das für den letzten Ausbildungstag vorgesehen war.

Neben einigen Namen standen Kürzel.

Beobachter.

Zielperson.

Ausfall.

Ihr Name stand in der Kategorie „Ausfall“.

Doch etwas daran war falsch.

„Diese Liste ist manipuliert.“


Seidel nickte.

„Genau.“

Mara deutete auf den Ausdruck.

„Die Schriftart der Zusatzmarkierung weicht ab. Und die Kennnummer stimmt nicht mit meiner heutigen Rolle überein.“

Zum ersten Mal zeigte Seidel so etwas wie Anerkennung.

„Das haben unsere Leute ebenfalls festgestellt.“

Brandt beugte sich vor.

„Die ursprüngliche Datei wurde gestern Abend verändert.“

„Von wem?“, fragte Mara.

„Das ist genau die Frage.“


Seidel aktivierte einen Bildschirm.

Eine Zugriffsübersicht erschien.

Drei Benutzerkonten hatten in dem relevanten Zeitraum Zugang zum System gehabt.

Brandt.

Ein Ausbildungsplaner namens Hauptmann Vogel.

Und Riedel.

Mara sah Brandt an.

„Deshalb hatten Sie das Foto.“

„Nein.“

Er schüttelte den Kopf.


„Das Foto lag heute Morgen in meinem Spind.“

„Und Sie haben es behalten.“

„Weil ich herausfinden wollte, wer mich damit unter Druck setzen wollte.“

Mara spürte, wie sich etwas in ihr zusammenzog.

„Unter Druck setzen?“

Brandt zog einen zweiten Beweisbeutel aus seiner Manteltasche und legte ihn auf den Tisch.

Darin lag ein kleiner zusammengefalteter Zettel.

Seidel öffnete ihn mit Handschuhen.

Die Nachricht bestand aus zwei Sätzen.

„Lass König morgen im Szenario laufen.


Dann passiert nichts.“

Mara las die Zeilen zweimal.

„Was bedeutet ‚laufen lassen‘?“

Brandt antwortete leise.

„Der finale Durchgang morgen ist keine gewöhnliche Häuserkampfübung.“

Der Kommandeur warf ihm einen scharfen Blick zu.

„Brandt.“

Doch Mara hatte längst verstanden, dass etwas vor ihr verborgen worden war.

„Was ist morgen geplant?“

Nach kurzem Schweigen antwortete Seidel.


„Ein erweitertes gemeinsames Szenario auf einem abgesperrten Küstenabschnitt. Nachtphase. Fahrzeuge. Bootsverlegung. Simulierte Evakuierung unter Zeitdruck.“

Mara sah wieder auf die Liste.

„Und ich sollte offiziell daran teilnehmen.“

„Ja.“

„Als was?“

Seidel zögerte.

„Als Führerin eines gemischten Zugriffsteams.“

Jetzt ergab Riedels Verhalten plötzlich einen neuen, unangenehmen Sinn.

Nicht vollständig.

Aber genug, um Fragen zu erzeugen.


Seine ständigen Provokationen.

Die Versuche, sie aus der Reserve zu locken.

Die öffentliche Demütigung.

Vielleicht hatte er tatsächlich gehofft, dass sie sich beschwerte, die Übung verließ oder disziplinarisch auffiel.

Doch das machte ihn nicht unschuldig.

„Wenn Riedel davon wusste“, sagte Mara langsam, „warum hat er den Datenträger bei sich getragen?“

Seidel antwortete nicht sofort.

Dann schob er den versiegelten Datenträger näher.

„Weil wir inzwischen wissen, was darauf gespeichert ist.“

Mara hob den Blick.

„Was?“

„Teile der morgigen Einsatzplanung. Bewegungszeiten. Zugangspunkte. Kennungen mehrerer Fahrzeuge.“

Brandt fluchte leise.

Der Kommandeur wurde blass.

Mara blieb still.

Das war weit mehr als eine manipulierte Liste.

„Hat Riedel die Daten kopiert?“

Seidel schüttelte den Kopf.

„Das können wir noch nicht beweisen.“

„Dann warum hatte er sie?“

„Nach seiner Aussage hat er den Datenträger heute Nachmittag in seiner Ausrüstung gefunden.“

Mara dachte an Riedels letzte Worte.

Ich wollte Sie am Leben halten.

„Sie glauben ihm?“

„Wir glauben niemandem“, sagte Seidel. „Wir überprüfen.“

Die Tür öffnete sich.

Ein Unteroffizier trat ein und reichte Seidel wortlos ein Tablet.

Seidel las.

Sein Gesicht veränderte sich.

Nur minimal.

Aber Mara bemerkte es.

„Was ist?“

Seidel drehte das Tablet zu ihr.

Darauf war ein Standbild aus einer Überwachungskamera zu sehen.

Ein Flur im Unterkunftsgebäude.

Zeitstempel: 16:42 Uhr.

Riedel war auf dem Bild zu sehen.

Er stand vor Maras Zimmertür.

Doch er war nicht allein.

Eine zweite Person befand sich wenige Meter hinter ihm.

Nur teilweise im Bild.

Uniform.

Männlich.

Das Gesicht nicht erkennbar.

In der Hand hielt der Mann etwas Kleines.

Vielleicht einen Schlüssel.

Vielleicht eine Zugangskarte.

Mara beugte sich näher.

„Können Sie das vergrößern?“

Seidel zoomte hinein.

Das Bild wurde unscharf.

Doch eine Einzelheit blieb sichtbar.

Am Ärmel der Person befand sich ein Abzeichen.

Kein Heeresabzeichen.

Keines ihrer Einheit.

Mara kannte es trotzdem.

Es gehörte zum Stab des Stützpunkts.

Brandt stand abrupt auf.

„Wer aus dem Stab hatte heute Zugang zum Unterkunftsbereich?“

Der Kommandeur antwortete nicht.

Seidel tat es.

„Mehr Personen, als mir lieb ist.“

Mara blickte wieder auf den Zeitstempel.

16:42 Uhr.

„Wo war Riedel danach?“

„Laut Kameras sechs Minuten später wieder auf dem Übungsplatz.“

„Und der andere Mann?“

Seidel wischte zum nächsten Bild.

„Nicht mehr zu sehen.“

Mara lehnte sich zurück.

Dann fiel ihr etwas auf.

„Der Datenträger wurde in Riedels Jacke gefunden.“

„Ja.“

„Aber in der Kneipe.“

„Richtig.“

„Und das Foto lag in Brandts Spind.“

„Ja.“

Mara sah von einem zum anderen.

„Jemand verteilt Beweise.“

Niemand widersprach.

Sie fuhr fort.

„Einen Datenträger bei Riedel. Ein Foto bei Brandt. Eine manipulierte Liste im System.“

Seidel nickte langsam.

„Mit welchem Ziel?“

Mara blickte auf ihren rot markierten Kopf auf dem Foto.

„Damit wir uns gegenseitig verdächtigen.“

In diesem Moment vibrierte Brandts Diensthandy auf dem Tisch.

Eine Nachricht.

Er griff danach.

Seidel hielt ihn zurück.

„Nicht anfassen.“

Das Gerät wurde vor allen sichtbar auf den Tisch gelegt.

Auf dem Display stand nur ein Satz.

„Ihr habt die falsche Übung abgesagt.“

Mara spürte, wie der Raum kälter wurde.

Der Kommandeur sah Seidel an.

„Wir haben gar nichts abgesagt.“

Noch bevor jemand antworten konnte, ertönte draußen ein Alarm.

Nicht der gewöhnliche Übungsalarm.

Ein echter.

Kurz.

Hart.

Dreimal hintereinander.

Dann kam eine Stimme über die Lautsprecher.

„Sicherheitslage im Bereich Nordpier. Sämtliches Personal bleibt in den Gebäuden. Wiederhole: Sämtliches Personal bleibt in den Gebäuden.“

Mara stand auf.

„Was liegt am Nordpier?“

Brandt sah sie an.

Sein Gesicht war jetzt vollkommen ernst.

„Die Boote für morgen.“

Seidel griff zum Funkgerät.

Rauschen.

Dann eine hektische Stimme.

„Leitstelle an Führung – wir haben einen Mann im Wasser und ein Boot fehlt.“

Mara erstarrte.

Seidel antwortete sofort.

„Welches Boot?“

Für zwei Sekunden kam nur statisches Knacken.

Dann die Antwort.

„Das Führungsboot des morgigen Szenarios.“

Mara sah wieder auf die manipulierte Verlustliste.

Und plötzlich wusste sie, dass Riedels Warnung keine Metapher gewesen war.

Jemand hatte nicht vorgehabt, sie nur aus einer Übung zu entfernen.

Jemand hatte geplant, dass sie morgen auf genau diesem Boot sein würde.

**Fortsetzung folgt — klicken Sie auf Teil 4, um weiterzulesen.**

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