Unterhaltung

Sie Verspotteten Die Marineoffizierin Wegen Eines Roten BHs – Doch Dann Enthüllte Sie Ein Tödliches Netzwerk Auf Dem Stützpunkt

Der Kommandeur machte einen Schritt zurück.

Nur einen.

Aber Mara sah ihn.

Seidel sah ihn ebenfalls.

Der Wachposten lächelte nicht mehr.

„Jetzt wird es interessant“, sagte er.

Seidel richtete die Waffe fester auf ihn.

„Name.“

Der Mann antwortete nicht.

„Dienstgrad und Name.“


„Obergefreiter Jan Bormann.“

Brandt runzelte die Stirn.

„Sie sind erst seit drei Monaten hier.“

„Offiziell.“

Seidel trat näher.

„Und inoffiziell?“

Bormann sah zum Kommandeur.

„Fragen Sie ihn.“

Der Kommandeur hob beide Hände.

„Ich kenne diesen Mann kaum.“


Bormann lachte kurz.

„Das ist schlecht.“

Seidel wechselte den Blick zwischen beiden.

„Herr Kapitän zur See?“

„Ich habe mit ihm vielleicht zweimal gesprochen.“

„Dann dürfte es Ihnen leichtfallen zu erklären, warum er Sie gerade ansieht, als würden Sie sich seit Jahren kennen.“

„Ich kann nicht erklären, was in seinem Kopf vorgeht.“

Mara sagte ruhig:

„Vielleicht müssen Sie das auch nicht.“

Alle blickten zu ihr.


Sie ging zum Tisch und sah erneut auf die Fotos.

Nicht zufällig verteilt.

Nicht nur Drohungen.

Eine Auswahl.

Vogel.

Faber.

Brandt.

Sie selbst.

Menschen, die entweder Zugang zum alten Vorgang gehabt hatten oder jetzt Zugriff auf die neue Übung besaßen.

„Diese Fotos sind keine Zielliste“, sagte Mara.


Seidel sah sie an.

„Was dann?“

„Eine Kontrollliste.“

Bormanns Blick veränderte sich.

Nur für einen Sekundenbruchteil.

Mara bemerkte es.

„Sie wollten wissen, wer noch etwas wusste.“

Bormann schwieg.

„Vogel kannte die neue Übungsplanung.“

Mara zeigte auf sein Foto.


„Faber kannte den Vorgang von vor vier Jahren.“

Nächstes Foto.

„Brandt hatte Zugang zu meiner aktuellen Einsatzplanung.“

Dann ihr eigenes.

„Und ich hatte damals den ersten Fehler gemeldet.“

Sie sah zum Kommandeur.

„Aber sein Foto fehlt.“

Stille.

Brandt blickte in die Box.

Dann noch einmal.


„Tatsächlich.“

Seidel drehte sich langsam zum Kommandeur.

„Warum?“

„Weil ich mit diesem Irrsinn nichts zu tun habe.“

Mara schüttelte den Kopf.

„Oder weil niemand Sie beobachten musste.“

Der Kommandeur wurde rot.

„Das reicht.“

„Nein.“

Mara zeigte auf den Ordner aus Kiel.


„Vor vier Jahren verschwanden verschlüsselte Funkmodule.“

Sie blickte zu Bormann.

„Kern half, die technische Spur zu verdecken.“

Dann zu Seidel.

„Aber solche Geräte verschwinden nicht einfach aus einem Bestand und tauchen irgendwo anders auf. Dafür braucht man Freigaben. Transporte. Zeitfenster.“

Brandt sagte leise:

„Und jemanden mit genug Autorität.“

Der Kommandeur schlug mit der Hand auf den Tisch.

„Sie konstruieren etwas aus Vermutungen!“

Mara wich nicht zurück.


„Dann helfen Sie uns, sie zu widerlegen.“

Er schwieg.

Bormann sah Mara an.

„Sie sind besser, als man mir beschrieben hat.“

Seidel packte ihn am Arm.

„Sie reden ab jetzt nur noch, wenn ich frage.“

Bormann ließ sich nicht beeindrucken.

„Dann fragen Sie die richtige Sache.“

„Welche?“

„Warum König auf dieser Übung gelandet ist.“


Mara spürte sofort, dass das wichtig war.

„Die Teilnahme war regulär.“

Bormann schüttelte den Kopf.

„Nein.“

Brandt sah ihn scharf an.

„Sie wurde von ihrer Einheit gemeldet.“

„Und danach geändert.“

Mara sah Brandt an.

„Geändert?“

Er antwortete nicht sofort.


Dann:

„Ihre Rolle.“

Mara wurde still.

Brandt fuhr fort.

„Sie waren ursprünglich nicht als Teamführerin vorgesehen.“

„Wer hat mich eingesetzt?“

Brandt blickte zum Kommandeur.

„Die Anweisung kam aus dem Stab.“

Der Kommandeur sagte sofort:

„Weil ihre Qualifikation besser passte.“

Bormann schnaubte.

„Schöne Version.“

Seidel trat zu ihm.

„Ihre.“

Bormann nickte Richtung Kommandeur.

„Er brauchte sie auf dem Boot.“

Der Raum erstarrte.

Mara sah den Kommandeur an.

„Warum?“

„Das ist absurd.“

Bormann sprach weiter.

„Kern wusste nicht, dass König wieder auftauchen würde. Nicht bis vor sechs Tagen.“

Mara dachte an den gefälschten Systemzugriff.

„Als jemand meinen Account benutzt hat.“

„Genau.“

Seidel fragte:

„Wer?“

Bormann antwortete:

„Ich.“

Brandt machte einen Schritt auf ihn zu.

„Sie haben ihren Account kompromittiert?“

„Nicht direkt.“

„Wie dann?“

„Alte administrative Sicherung.“

Mara verstand.

„Ein Schattenkonto.“

Bormann nickte.

„Ein Zugang, der offiziell längst hätte gelöscht sein müssen.“

Seidel sah zum Kommandeur.

„Wer konnte so etwas behalten?“

Der Kommandeur sagte nichts.

Bormann antwortete für ihn.

„Jemand, der dafür gesorgt hat, dass nach Kiel nie wirklich aufgeräumt wurde.“

Mara trat näher an Bormann.

„Sie haben Kern glauben lassen, ich würde wieder nach dem alten Vorgang suchen.“

„Ja.“

„Damit er reagiert.“

„Ja.“

„Und dadurch sollte er sich selbst verraten.“

Bormann nickte.

„Das war die Idee.“

Mara hielt seinem Blick stand.

„Wessen Idee?“

Zum ersten Mal wirkte Bormann unsicher.

„Nicht seine.“

Er deutete nicht zum Kommandeur.

Stattdessen sah er zu Seidel.

„Wir wollten den ganzen Kanal.“

„Wir?“

„Leute, die seit Jahren wussten, dass Material verschwindet, aber nie beweisen konnten, wer dahintersteht.“

Seidel wurde kalt.

„Welche Leute?“

Bormann lachte nicht mehr.

„Keine offizielle Einheit.“

„Dann sind Sie gerade dabei, sich wegen mehrerer Straftaten selbst zu belasten.“

„Vielleicht.“

Mara schüttelte den Kopf.

„Sie haben mich ohne mein Wissen benutzt.“

Bormann sah sie an.

„Ja.“

„Und auf ein sabotiertes Boot gesetzt.“

„Nein.“

Jetzt änderte sich seine Stimme.

„Das war nicht Teil meines Plans.“

Mara blieb stehen.

„Erklären Sie das.“

„Ich wollte Kern nervös machen. Ihn zwingen, alte Kontakte zu aktivieren.“

„Und Riedel?“

„Ungeplant.“

„Die Verlustliste?“

„Nicht von mir.“

„Das Foto?“

„Auch nicht.“

Bormann sah zum Kommandeur.

„Ab da wusste ich, dass jemand anderes mitspielte.“

Seidel fragte:

„Warum haben Sie sich dann als Opfer inszeniert?“

„Weil ich gesehen hatte, wer am Pier war.“

„Wer?“

Bormann antwortete nicht.

Seidel packte ihn fester.

„Wer?“

Bormann sah Mara an.

„Kern.“

Brandt sagte:

„Das wussten wir bereits.“

„Nicht allein.“

Jetzt wurde der Raum wieder still.

Mara fragte:

„Mit wem?“

Bormann blickte zum Kommandeur.

Diesmal direkt.

„Mit ihm.“

Der Kommandeur trat vor.

„Lüge.“

„Ich habe Sie gesehen.“

„Sie haben gar nichts gesehen.“

„Sie trugen denselben Mantel wie jetzt.“

Der Kommandeur blickte an sich hinunter.

Dunkler Dienstmantel.

Mara sah sofort zur Überwachungsszene in ihrer Erinnerung.

Die zweite Person hinter Riedel.

Uniform.

Abzeichen des Stützpunktstabs.

Damals war das Gesicht nicht zu erkennen gewesen.

„Die Person vor meinem Zimmer“, sagte sie.

Seidel sah zu ihr.

„Sie denken—“

„Der Stabsärmel.“

Mara blickte zum Kommandeur.

„Sie hatten Zugriff.“

„Das beweist nichts.“

Brandt sagte:

„Aber Sie wussten von ihrer Rolle.“

„Ich leite diesen Stützpunkt. Natürlich wusste ich davon.“

Mara trat näher.

„Und Sie wussten vom alten Tunnel.“

Keine Antwort.

„Sie wussten vom verlorenen Schlüssel.“

Keine Antwort.

„Sie wussten vom Kieler Vorgang.“

Jetzt reagierte er.

„Davon wusste ich nichts.“

Zu schnell.

Mara sah Seidel an.

„Das war die falsche Antwort.“

Der Kommandeur wurde laut.

„Ich habe genug von Ihren Unterstellungen!“

Mara blieb ruhig.

„Ich habe nie gesagt, dass Sie in Kiel dabei waren.“

Er verstummte.

Das Schweigen danach war schwerer als jedes Geständnis.

Seidel trat auf ihn zu.

„Woher wussten Sie dann, welchen Vorgang sie meint?“

Der Kommandeur öffnete den Mund.

Keine Antwort kam.

Bormann lächelte bitter.

„Weil er damals schon dabei war.“

Seidel wandte sich an die Feldjäger.

„Entwaffnen.“

Der Kommandeur wich zurück.

„Sie machen einen Fehler.“

Niemand hörte auf.

Seine Dienstwaffe wurde ihm abgenommen.

Seidel fragte:

„Welche Rolle hatten Sie vor vier Jahren?“

Der Kommandeur blickte Mara an.

Dann Brandt.

Dann Bormann.

„Logistikstab.“

Mara schloss kurz die Augen.

Da war die Verbindung.

Nicht technisch.

Logistisch.

Kern konnte Systeme manipulieren.

Der Kommandeur konnte Transporte ermöglichen.

„Die Funkmodule“, sagte Mara.

Er antwortete nicht.

Seidel tat es.

„Kern deckte die technische Seite. Sie die Transporte.“

Der Kommandeur wurde bleich.

„Sie verstehen nicht, worum es ging.“

Mara sah ihn an.

„Dann erklären Sie es.“

Er lachte trocken.

„Sie glauben wirklich, das seien ein paar gestohlene Geräte gewesen?“

Bormann sagte:

„Reden Sie nicht.“

Der Kommandeur sah ihn verächtlich an.

„Sie haben alles schlimmer gemacht.“

Dann wandte er sich Mara zu.

„Diese Module waren nur der Anfang.“

Seidel hob die Hand.

„Kein weiteres Wort ohne formelle Vernehmung.“

Doch der Kommandeur sprach weiter.

„Kern war nie der Kopf.“

Mara fühlte, wie sich alles erneut verschob.

„Wer dann?“

Bormann rief:

„Mund halten!“

Zu spät.

Der Kommandeur lächelte.

„Sie suchen die ganze Nacht nach Tätern.“

Er sah Mara direkt an.

„Dabei hätten Sie nach dem Empfänger suchen sollen.“

Brandt runzelte die Stirn.

„Empfänger?“

Mara verstand zuerst.

„Die Geräte wurden nicht einfach gestohlen.“

Der Kommandeur nickte langsam.

„Sie wurden geliefert.“

Seidel wurde hart.

„An wen?“

Bevor er antworten konnte, ertönte aus dem Gang ein Ruf.

„Major!“

Ein Techniker kam herein.

In der Hand hielt er einen kleinen Datenträger.

„Wir haben im Laptop eine versteckte Partition gefunden.“

Seidel nahm ihn nicht entgegen.

„Was ist darauf?“

„Kommunikationsprotokolle.“

„Mit wem?“

Der Techniker schluckte.

„Das wissen wir noch nicht.“

„Was wissen Sie?“

„Dass der letzte Kontakt vor weniger als einer Stunde stattgefunden hat.“

Mara sah zum Kommandeur.

„Von hier?“

„Nein.“

Der Techniker schüttelte den Kopf.

„Von außerhalb des Stützpunkts.“

Er legte einen Ausdruck auf den Tisch.

Eine kurze Nachricht.

Nur drei Zeilen.

„Kern kompromittiert.

König lebt.

Abholung vorziehen.“

Darunter stand eine Uhrzeit.

02:15.

Brandt sah auf seine Uhr.

„Das ist in weniger als vierzig Minuten.“

Mara fragte:

„Abholung von was?“

Der Techniker wechselte zur nächsten Seite.

Eine Koordinate.

Seidel erkannte sie sofort.

„Das ist draußen auf See.“

Mara trat näher.

„Was liegt dort?“

Brandt antwortete:

„Eine alte Übungsboje.“

Bormann wurde plötzlich kreidebleich.

Mara bemerkte es.

„Sie wissen, was dort ist.“

Bormann schwieg.

„Was ist an dieser Boje?“

Seidel packte ihn am Kragen.

„Antworten!“

Bormann sah Mara an.

„Ein Übergabepunkt.“

„Für was?“

„Daten.“

„Welche Daten?“

„Alles, was sie in den letzten Jahren gesammelt haben.“

Mara spürte einen Schlag im Magen.

„Wer holt sie ab?“

Bormann schüttelte den Kopf.

„Das weiß ich nicht.“

„Lüge.“

„Ich schwöre.“

Seidel fragte:

„Warum wird die Abholung vorgezogen?“

Bormann blickte zum Kommandeur.

„Weil sie wissen, dass das Netzwerk auffliegt.“

Mara sah auf die Uhrzeit.

02:15.

Dann auf die Koordinate.

„Wenn wir dort auftauchen, merken sie, dass wir den Kontakt kennen.“

Seidel nickte.

„Wenn wir nicht auftauchen, verlieren wir vielleicht die einzige Verbindung nach außen.“

Brandt sagte:

„Wir brauchen eine Falle.“

Mara sah ihn an.

Dann Bormann.

Dann den Kommandeur.

Plötzlich erinnerte sie sich an Riedels Satz.

Ich wollte Sie am Leben halten.

Und an die Nachricht auf dem Laptop.

König ist nicht das Ziel.

Sie ist der Beweis.

„Nein“, sagte sie.

Seidel sah zu ihr.

„Was?“

Mara betrachtete die drei Zeilen noch einmal.

„Sie erwarten bereits, dass ich lebe.“

Brandt runzelte die Stirn.

„Ja.“

„Dann wissen sie auch, dass der Plan mit dem Boot gescheitert ist.“

„Offenbar.“

Mara hob den Blick.

„Und trotzdem ziehen sie die Abholung vor.“

Seidel verstand noch nicht.

Mara fuhr fort.

„Warum sollten sie ausgerechnet jetzt noch riskieren, jemanden zu schicken?“

Stille.

Dann begriff Brandt.

„Weil etwas auf dieser Übergabe wichtiger ist als ihre Tarnung.“

Mara nickte.

„Oder jemand.“

Bormann wurde noch blasser.

Mara drehte sich zu ihm.

„Wer sollte ursprünglich bei der Abholung sein?“

Keine Antwort.

„Bormann.“

Er schloss die Augen.

Dann sagte er:

„Kern.“

Seidel fragte:

„Allein?“

Bormann schwieg.

Mara wusste es schon.

„Und der Kommandeur.“

Bormann öffnete die Augen.

Das war Bestätigung genug.

Seidel wandte sich an die Feldjäger.

„Beide bleiben gesichert.“

Doch Mara schüttelte den Kopf.

„Wenn die andere Seite beide erwartet und keiner auftaucht, brechen sie ab.“

Brandt sah sie an.

„Sie wollen einen von ihnen schicken.“

„Nein.“

Mara blickte auf die Koordinate.

„Ich will, dass sie glauben, alles läuft noch nach Plan.“

Seidel antwortete sofort:

„Sie gehen nicht.“

Mara sah ihn an.

„Mein Name steht bereits in ihrer Nachricht.“

„Genau deshalb.“

„Sie wissen, dass ich lebe.“

„Und vermutlich wollen sie das ändern.“

Mara schüttelte den Kopf.

„Nein.“

Sie zeigte auf die Nachricht.

„Wenn sie mich hätten töten wollen, stünde dort nicht nur ‚König lebt‘.“

Seidel schwieg.

„Sie wollen wissen, was ich weiß.“

Brandt sagte:

„Oder sie wollen Sie benutzen.“

Mara sah auf die dunkle Koordinate auf der Karte.

„Dann sollen sie es versuchen.“

Seidel schüttelte den Kopf.

„Zu riskant.“

Mara antwortete ruhig:

„Vier Jahre lang haben sie darauf gebaut, dass niemand den ganzen Zusammenhang sieht.“

Sie blickte auf die verbrannten Akten.

Auf die gefälschten Karten.

Auf die Fotos.

Auf den Mann, der sie ohne ihr Wissen zum Köder gemacht hatte.

„Jetzt sehen wir ihn.“

Dann deutete sie auf die Uhrzeit.

„Und in achtunddreißig Minuten haben wir vielleicht die einzige Chance herauszufinden, wohin all das wirklich führt.“

Im selben Moment vibrierte der sichergestellte Kommunikationssender auf dem Tisch.

Eine neue Nachricht erschien.

„Änderung.

Kein Boot.

König allein.“

Darunter eine neue Koordinate.

Nur wenige hundert Meter vor der Küste.

Und eine letzte Zeile:

„Bringen Sie den Bericht von Kiel mit.“

Mara starrte auf den Bildschirm.

Zum ersten Mal wusste sie mit Sicherheit, dass die Person auf der anderen Seite nicht nur ihren Namen kannte.

Sie wusste genau, was Mara vor vier Jahren gesehen hatte.

**Fortsetzung folgt — klicken Sie auf Teil 8, um weiterzulesen.**

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