Unterhaltung

Sie Verspotteten Die Marineoffizierin Wegen Eines Roten BHs – Doch Dann Enthüllte Sie Ein Tödliches Netzwerk Auf Dem Stützpunkt

Niemand sprach.

Der Kommandeur stand nur wenige Meter entfernt.

Seidel sah ihn an.

Brandt ebenfalls.

Mara dagegen beobachtete nicht sein Gesicht.

Sie beobachtete seine Hände.

Der Kommandeur bewegte sich nicht.

„Sie wollen damit hoffentlich nichts andeuten, Leutnant zur See König“, sagte er schließlich.

Seine Stimme war ruhig.

Fast zu ruhig.


Mara hielt seinem Blick stand.

„Ich stelle eine Frage.“

„Die wie eine Anschuldigung klingt.“

„Dann beantworten Sie sie.“

Seidel trat dazwischen.

„Wer wusste vor Königs Ankunft, dass sie die Führung des Teams übernehmen sollte?“

Der Kommandeur atmete einmal langsam aus.

„Ich. Brandt. Vogel.“

„Sonst niemand?“

„Die Zuteilung wurde im Stab vorbereitet.“


„Das war nicht meine Frage.“

Der Kommandeur sah Seidel scharf an.

„Dann nein. Offiziell niemand sonst.“

Mara hörte das Wort sofort.

Offiziell.

„Und inoffiziell?“

Der Kommandeur schwieg.

Brandt drehte sich zu ihm.

„Herr Kapitän zur See?“

Jetzt war es nicht mehr nur Mara, die eine Antwort wollte.


Der Kommandeur blickte kurz zu den Feldjägern, dann zu Vogel im Transporter.

„Vor drei Tagen gab es eine Vorbesprechung.“

Seidel wurde angespannt.

„Mit wem?“

„Mit Vertretern der beteiligten Bereiche.“

„Namen.“

Der Kommandeur presste die Lippen zusammen.

„Das ist nicht der Ort.“

„Doch“, sagte Mara. „Genau hier.“

Er sah sie an.


„Sie vergessen Ihren Dienstgrad.“

„Nein.“

Ihre Stimme blieb ruhig.

„Ich erinnere mich gerade sehr genau daran, warum Verantwortung wichtiger ist als Dienstgrad.“

Brandt senkte kurz den Blick.

Seidel sagte nichts.

Der Kommandeur merkte, dass niemand ihm helfen würde.

„Es waren Vogel, ich, ein technischer Offizier des Stützpunkts und ein Verbindungsoffizier des Heeres.“

Mara fragte sofort:

„Name des technischen Offiziers.“


„Kapitänleutnant Matthias Kern.“

„Und der Verbindungsoffizier?“

„Major Daniel Faber.“

Seidel griff nach seinem Funkgerät.

„Standorte Kern und Faber.“

Die Antwort kam nach wenigen Sekunden.

„Kern im Technikgebäude. Faber laut Unterkunftsliste in seinem Zimmer.“

Mara sah Seidel an.

„Laut Liste.“

Er verstand.


„Visuell bestätigen.“

Zwei Streifen wurden losgeschickt.

Währenddessen wurde Vogel auf eine Trage gelegt.

Als die Sanitäter ihn an Mara vorbeischoben, bewegte er plötzlich den Kopf.

Seine Augen öffneten sich einen Spalt.

„Warten“, sagte Mara.

Der Sanitäter stoppte.

Vogel versuchte etwas zu sagen.

Nur Luft kam heraus.

Mara trat näher.


„Hauptmann Vogel. Können Sie mich hören?“

Seine Augen fanden ihr Gesicht.

Für einen Moment zeigte sich darin etwas, das sie nicht erwartet hatte.

Erleichterung.

Dann bewegten sich seine Lippen.

„Nicht … Kern.“

Mara beugte sich näher.

„Was?“

„Nicht … Kern.“

Seidel trat ebenfalls heran.


„Wer dann?“

Vogels Atem wurde flach.

„Schlüssel …“

„Welcher Schlüssel?“

Seine Augen flatterten.

„Alter … Schlüssel.“

Dann verlor er wieder das Bewusstsein.

Der Sanitäter schob Mara zurück.

„Wir müssen los.“

Die Trage verschwand Richtung Sanitätsbereich.


Brandt sah Mara an.

„Nicht Kern.“

„Vielleicht eine Warnung.“

„Oder eine Entlastung.“

Mara blickte auf den Transporter.

„Oder beides.“

Seidel wandte sich an den Kommandeur.

„Was ist ein alter Schlüssel?“

„Keine Ahnung.“

Doch Mara bemerkte etwas.


Nur eine minimale Verzögerung.

Zu klein für jeden, der nicht darauf geachtet hätte.

„Doch“, sagte sie.

Der Kommandeur sah sie an.

„Wie bitte?“

„Sie wissen etwas.“

„Sie überschreiten eine Grenze.“

„Dann sagen Sie mir, wo sie verläuft.“

Mara machte einen Schritt auf ihn zu.

„Mein Name stand auf einer manipulierten Verlustliste. Ein Boot, auf dem ich hätte sitzen sollen, wurde sabotiert. Vogel wurde betäubt. Jemand benutzt Zugänge, die laut Ihren eigenen Leuten gefälscht werden können.“

Sie deutete auf den Stützpunkt.

„Und jetzt sagt Vogel etwas von einem alten Schlüssel. Wenn Sie wissen, was das bedeutet, dann ist Schweigen keine Führungsentscheidung mehr.“

Seidel sah den Kommandeur direkt an.

„Antworten Sie.“

Der Kommandeur schloss kurz die Augen.

„Unter Lagerhalle Zwei gibt es einen alten Zugangstunnel.“

Brandt starrte ihn an.

„Was für einen Tunnel?“

„Aus einer früheren Ausbauphase des Stützpunkts. Er verbindet Teile des Verwaltungsbereichs mit einem alten Versorgungsabschnitt nahe des Piers.“

„Warum ist der noch zugänglich?“

„Offiziell ist er es nicht.“

Mara fragte:

„Und inoffiziell?“

„Es existieren noch mechanische Schlüssel.“

Seidel wurde blass.

„Wer besitzt sie?“

„Eigentlich niemand.“

Mara antwortete sofort:

„Falsche Antwort.“

Der Kommandeur rieb sich über das Gesicht.

„Früher gab es vier.“

„Wo sind sie?“

„Drei wurden eingezogen.“

„Und der vierte?“

Stille.

Dann sagte er:

„Verschollen.“

Brandt fluchte.

Mara sah zum dunklen Gelände zwischen den Hallen.

„Seit wann?“

„Seit fast einem Jahr.“

„Und Sie haben das nie gemeldet?“

Der Kommandeur wurde hart.

„Der Tunnel war versiegelt.“

„Offenbar nicht gut genug.“

Seidels Funkgerät knackte.

„Streife Eins an Seidel. Kern bestätigt. Er ist im Technikgebäude.“

„Festhalten, nichts anfassen lassen.“

„Verstanden.“

Eine zweite Stimme kam herein.

„Streife Zwei. Fabers Zimmer ist leer.“

Mara drehte sich sofort um.

„Seit wann?“

„Unklar. Bett unbenutzt. Diensthandy liegt auf dem Tisch.“

Seidel sah Brandt an.

„Faber wusste von Königs Rolle.“

Brandt nickte.

„Und er ist weg.“

Mara schüttelte den Kopf.

„Schon wieder zu bequem.“

Seidel sah sie an.

„Sie halten wirklich nichts mehr für einen direkten Beweis.“

„Nicht solange jemand systematisch genau das produziert, was wir sehen sollen.“

Sie blickte zum Kommandeur.

„Wo ist Lagerhalle Zwei?“

„Westlich.“

„Dann gehen wir dorthin.“

„Nein“, sagte Seidel.

Mara sah ihn an.

„Wenn dieser Tunnel offen ist, verlieren wir Zeit.“

„Und wenn dort jemand wartet, laufen Sie genau in das Szenario hinein, das man für Sie vorbereitet hat.“

Das traf.

Nicht, weil Mara Angst bekam.

Sondern weil Seidel recht hatte.

Zum ersten Mal seit Beginn dieser Nacht zwang sie sich, nicht sofort zu handeln.

„Dann schicken Sie voraus.“

Seidel nickte.

Zwei Teams wurden angesetzt.

Mara, Brandt und der Kommandeur blieben zurück.

Riedel wurde inzwischen in ein gesichertes Fahrzeug gesetzt.

Als Mara vorbeiging, klopfte er einmal gegen die Scheibe.

Sie blieb stehen.

Er deutete mit dem Kopf auf sie.

Sie öffnete die Tür nicht.

„Was?“

Riedel sprach durch das leicht geöffnete Seitenfenster.

„Faber.“

Mara sah ihn an.

„Was ist mit ihm?“

„Er hat mich vorgestern gefragt, ob Sie wirklich so gut sind, wie alle sagen.“

„Und?“

„Ich habe gesagt, dass ich das für Gerede halte.“

„Das überrascht mich nicht.“

Riedel ignorierte die Bemerkung.

„Dann hat er gefragt, was passieren müsste, damit Sie aus der Übung genommen werden.“

Mara wurde still.

„Wann genau?“

„Am Abend vor Ihrem ersten Durchgang.“

Brandt trat näher.

„Warum haben Sie das vorher nicht gesagt?“

Riedel sah ihn an.

„Weil ich ihn für einen Idioten hielt.“

Dann blickte er wieder zu Mara.

„Und weil ich genau danach Ihre Bezeichnung auf der Verlustliste gesehen habe.“

Mara verschränkte die Arme.

„Also begannen Sie, mich zu provozieren.“

„Ja.“

„Und haben nie überlegt, einfach zu mir zu kommen.“

Riedel lachte bitter.

„Sie hätten mir geglaubt?“

„Vielleicht nicht.“

„Eben.“

Mara antwortete kühl:

„Dann hätten Sie wenigstens nicht selbst wie der Täter ausgesehen.“

Riedel senkte den Blick.

„Das weiß ich jetzt auch.“

Seidel kam zu ihnen.

„Das Vorauskommando ist am Tunnel.“

Das Funkgerät knackte.

„Zugang gefunden.“

„Status?“

„Versiegelung beschädigt.“

Mara spürte, wie Brandt neben ihr die Schultern anspannte.

„Tür offen?“

„Negativ. Aber jemand war vor kurzem hier.“

Seidel hob das Funkgerät näher.

„Woran erkennen Sie das?“

Kurze Pause.

„Frische Kratzspuren am Schloss.“

Dann:

„Und wir haben Blut.“

Mara sah Seidel an.

„Wie viel?“

„Wenig. Tropfen. Führen in den Tunnel.“

Seidel gab den Befehl zum vorsichtigen Eindringen.

Die nächsten Minuten fühlten sich länger an, als sie waren.

Dann kam die Meldung.

„Tunnel frei bis Abzweigung eins.“

Noch eine Minute.

„Wir haben eine Tasche.“

„Nicht öffnen.“

„Verstanden.“

Dann Stille.

Zu lange.

Seidel drückte die Sendetaste.

„Team Eins, Status.“

Rauschen.

Keine Antwort.

„Team Eins, melden.“

Dann plötzlich:

„Kontakt!“

Im Hintergrund hörte man Rufe.

Schritte.

Ein dumpfes Geräusch.

Mara griff instinktiv nach ihrer Ausrüstung.

Seidel hob sofort eine Hand.

„Sie bleiben.“

„Wenn dort—“

„Sie bleiben.“

Das Funkgerät knackte erneut.

„Person flüchtet Richtung alter Verwaltungszugang!“

Seidel drehte sich zum Kommandeur.

„Wo kommt der raus?“

Der Kommandeur wurde bleich.

„Unter dem Archivtrakt.“

Mara sah sofort zum Hauptgebäude.

„Dort liegen die Ausbildungsakten.“

„Und Personalunterlagen“, sagte Brandt.

Mara setzte sich in Bewegung.

Seidel fluchte und folgte.

Sie erreichten den Archivtrakt gleichzeitig mit einem Sicherungsteam.

Eine Seitentür stand offen.

Keine Aufbruchsspuren.

Mara blieb davor stehen.

„Mechanischer Schlüssel.“

Seidel nickte.

Innen war das Licht aus.

Sie gingen hinein.

Ein Soldat überprüfte Raum für Raum.

Leer.

Dann roch Mara etwas.

Verbranntes Papier.

„Da.“

Am Ende des Korridors drang Rauch unter einer Tür hervor.

Das Team brach sie auf.

In einem Metalleimer brannten Dokumente.

Der Brand war klein.

Kontrolliert.

Jemand hatte nicht vorgehabt, das Gebäude anzuzünden.

Nur bestimmte Unterlagen zu vernichten.

Die Flammen wurden gelöscht.

Mara ging in die Hocke.

Zwischen verkohlten Seiten war noch ein Teil eines Dokuments lesbar.

Eine Tabelle.

Namen.

Daten.

Bewertungen.

Brandt hob ein halb verbranntes Blatt mit einer Zange an.

Oben stand:

„Gemeinsame Auswahlverfahren – Nachbereitung.“

Darunter mehrere Namen.

Einige waren durchgestrichen.

Mara erkannte keinen davon.

Bis Seidel das nächste Blatt freilegte.

Dort stand ihr eigener Name.

Mara König.

Nicht von dieser Woche.

Das Datum lag vier Jahre zurück.

Sie runzelte die Stirn.

„Ich war damals nie auf diesem Stützpunkt.“

Der Kommandeur, der hinter ihnen stand, sagte nichts.

Mara sah ihn an.

„Aber jemand hatte schon damals eine Akte über mich.“

Seidel nahm das Blatt.

Neben Maras Namen stand eine Bewertung.

„Geeignet.“

Darunter:

„Nicht übernehmen.“

Und darunter eine Unterschrift.

Brandt beugte sich näher.

„Faber.“

Mara hob den Blick.

Major Daniel Faber hatte ihren Namen bereits Jahre zuvor gekannt.

Lange bevor diese Übung geplant worden war.

„Das hier hat nicht mit dieser Woche angefangen“, sagte sie.

Dann bemerkte Seidel etwas auf der Rückseite.

Eine handschriftliche Notiz.

Er las sie nicht laut vor.

Mara sah sein Gesicht.

„Was steht da?“

Seidel zögerte.

Dann drehte er das Blatt um.

Nur fünf Worte waren noch lesbar.

„König darf den Bericht nicht sehen.“

Mara spürte, wie etwas in ihr kippte.

Nicht Angst.

Erkenntnis.

„Welchen Bericht?“

Hinter ihnen ertönte plötzlich ein Schuss.

Alle fuhren herum.

Der Schuss war nicht im Gebäude gefallen.

Er kam vom Hof.

Ein Soldat rannte zur Tür.

„Person am Fahrzeug!“

Mara folgte bis zum Ausgang.

Am anderen Ende des Hofes stand ein Mann in Uniform neben einem dunklen Wagen.

Für einen Moment trafen sich ihre Blicke.

Major Faber.

Er hielt keine Waffe auf Mara gerichtet.

Er hielt sie an seine eigene Seite, als wäre er gerade angegriffen worden.

Dann rief er etwas.

„König! Nicht zu Kern!“

Im selben Augenblick zerbarst die Scheibe neben ihm.

Ein zweiter Schuss.

Faber ging zu Boden.

Mara sah zur Dachkante des Technikgebäudes.

Dort bewegte sich eine dunkle Gestalt.

Und plötzlich war klar:

Faber war nicht geflohen.

Jemand hatte dafür gesorgt, dass es genau so aussah.

**Fortsetzung folgt — klicken Sie auf Teil 6, um weiterzulesen.**

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