Unterhaltung

Sie Verspotteten Die Marineoffizierin Wegen Eines Roten BHs – Doch Dann Enthüllte Sie Ein Tödliches Netzwerk Auf Dem Stützpunkt

Mara stand noch immer vor dem Tisch, als Seidel bereits Anweisungen ins Funkgerät gab.

„Nordpier vollständig sperren. Niemand verlässt den Stützpunkt. Fahrzeugkontrollen an allen Toren. Und ich will die Aufzeichnungen der letzten zwei Stunden.“

Der Kommandeur griff nach seinem Telefon.

Brandt blieb stehen und blickte auf die manipulierte Liste.

Mara dagegen dachte an etwas anderes.

„Der Mann im Wasser.“

Seidel sah zu ihr.

„Was ist mit ihm?“

„Wer ist es?“

Eine neue Meldung kam über Funk.


„Wachposten. Unterkühlt, ansprechbar. Keine Schussverletzung. Vermutlich niedergeschlagen und ins Hafenbecken gestoßen.“

Mara zog die Stirn zusammen.

„Hat er jemanden gesehen?“

„Das werden wir herausfinden.“

„Nicht später“, sagte sie. „Jetzt.“

Seidel musterte sie.

„Leutnant zur See, das hier ist inzwischen eine Sicherheitsuntersuchung.“

„Und jemand hat meinen Namen in eine manipulierte Ausfallliste geschrieben, ein Foto von mir verteilt und gerade das Boot verschwinden lassen, auf dem ich morgen eingesetzt worden wäre.“

Ihre Stimme blieb ruhig.

„Wenn Sie mich aus allem heraushalten, nehmen Sie mir die einzige Perspektive, die der Täter nicht kontrollieren kann.“


Für einen Moment sagte niemand etwas.

Dann nickte Seidel knapp.

„Sie kommen mit. Aber Sie handeln nicht allein.“

Am Nordpier roch die Luft nach Salz, Diesel und kaltem Metall.

Blaue Warnleuchten spiegelten sich auf dem dunklen Wasser.

Der gerettete Wachposten saß in eine Decke gewickelt auf einer Trage. Ein Sanitäter untersuchte eine Platzwunde an seinem Hinterkopf.

Mara ging neben Seidel in die Hocke.

„Gefreiter, können Sie mich hören?“

Der Mann nickte schwach.

„Ja.“


„Was ist passiert?“

Er schloss kurz die Augen.

„Jemand kam von hinten.“

„Haben Sie vorher etwas gesehen?“

„Ein Fahrzeug.“

Seidel beugte sich vor.

„Was für eins?“

„Transporter. Stab.“

„Kennzeichen?“

Der Gefreite schüttelte den Kopf.


„Zu dunkel.“

Mara fragte weiter.

„Wie viele Personen?“

Er überlegte.

„Mindestens zwei.“

„Stimmen?“

Wieder ein Zögern.

„Eine.“

Mara wartete.

„Was hat sie gesagt?“


Der Wachposten blickte sie an.

„‚Beeil dich. König darf morgen nicht an Bord gehen.‘“

Seidel und Mara wechselten einen Blick.

Das war das erste Mal, dass jemand außerhalb der gefundenen Unterlagen ihren Namen direkt im Zusammenhang mit dem Boot gehört hatte.

„Männliche Stimme?“, fragte Seidel.

„Ja.“

„Erkannt?“

Der Wachposten verzog das Gesicht.

„Vielleicht.“

Mara spürte, wie sich die Aufmerksamkeit aller auf ihn richtete.


„Wen?“

Doch bevor er antworten konnte, kam ein Techniker vom Pier herüber.

„Major. Wir haben etwas.“

Seidel stand auf.

Sie gingen zu einem geöffneten Versorgungskasten neben der Anlegestelle.

Darin verliefen Leitungen für Strom, Beleuchtung und Zugangssensoren.

Eine Abdeckung war gelöst worden.

Der Techniker deutete auf einen kleinen schwarzen Adapter.

„Fremdgerät. War an die Zugangskontrolle angeschlossen.“

„Was macht es?“


„Es hat die Türprotokolle gespiegelt.“

Mara verstand sofort.

„Jemand konnte Zutritte fälschen.“

„Genau.“

Seidel sah zum Unterkunftsgebäude.

„Dann beweisen die elektronischen Logs gar nichts.“

„Nicht ohne Abgleich mit den Kameras.“

Mara ging näher.

„Wie lange hängt das Ding schon da?“

Der Techniker prüfte die Daten.


„Mindestens seit gestern Abend.“

Brandt, der inzwischen ebenfalls am Pier angekommen war, fluchte leise.

„Also bevor Riedels angeblicher Zugriff auf die Datei protokolliert wurde.“

Seidel nickte.

„Damit wird die Sache interessanter.“

Mara sah ihn an.

„Oder einfacher.“

„Wie meinen Sie das?“

„Wenn jemand Riedel belasten wollte, brauchte er manipulierte Logs. Wenn jemand Brandt belasten wollte, brauchte er das Foto im Spind.“

Sie blickte zum verschwundenen Liegeplatz des Bootes.


„Und wenn jemand mich loswerden wollte, brauchte er ein Szenario, in dem mein Verschwinden wie ein Unfall aussehen konnte.“

Brandt sah sie scharf an.

„Sie glauben, das Boot sollte sabotiert werden.“

„Ich glaube, dass wir endlich aufhören sollten, so zu tun, als ginge es nur um Einschüchterung.“

Seidel sagte nichts.

Dann kam erneut Bewegung auf.

Zwei Feldjäger führten Riedel über den Pier.

Seine Hände waren nicht gefesselt, aber zwei Männer gingen dicht neben ihm.

Er sah Mara.

„Jetzt glauben Sie mir also.“


Mara trat ihm entgegen.

„Noch lange nicht.“

Riedel grinste müde.

„Aber Sie hören endlich zu.“

Seidel hob eine Hand.

„Sie beantworten jetzt Fragen.“

Riedel sah zum leeren Liegeplatz.

Sein Gesicht wurde ernst.

„Es ist weg.“

„Das wissen wir.“

„Dann sind sie schneller als geplant.“

Mara fixierte ihn.

„Wer sind ‚sie‘?“

Riedel schwieg.

Seidel trat näher.

„Hauptfeldwebel, dies ist der Moment, in dem Sie entscheiden, ob Sie weiter den Provokateur spielen oder anfangen, sich selbst zu retten.“

Riedel lachte kurz.

„Mich retten?“

Er sah Mara an.

„Ich habe seit zwei Tagen versucht, sie aus diesem Ablauf zu bekommen.“

„Indem Sie mich öffentlich erniedrigt haben?“

„Ja.“

„Das war Ihr Plan?“

„Sie hätten mich melden sollen.“

„Ich habe Sie gemeldet.“

„Früher.“

Riedel fuhr sich mit der Zunge über die Lippe.

„Ich dachte, wenn ich weit genug gehe, beendet irgendjemand Ihre Teilnahme.“

Mara wurde kalt.

„Warum haben Sie mir nichts gesagt?“

„Weil ich keine Beweise hatte.“

„Und deshalb beschlossen Sie, sich wie ein Schwein zu benehmen?“

Zum ersten Mal wich sein Blick aus.

„Ich habe nie behauptet, dass es klug war.“

Seidel unterbrach.

„Woher wussten Sie von der Verlustliste?“

Riedel hob den Kopf.

„Ich habe sie auf einem offenen Terminal gesehen.“

„Welchem Terminal?“

„Planungsraum B.“

Brandt schüttelte sofort den Kopf.

„Der ist nachts gesperrt.“

„Nicht vorgestern.“

„Wer war dort?“

Riedel blickte zu Mara.

„Hauptmann Vogel.“

Der Name fiel schwer in die Stille.

Der Ausbildungsplaner.

Einer der drei Nutzerkonten mit Zugriff auf die Datei.

Seidel reagierte sofort.

„Wo ist Vogel?“

Niemand antwortete.

Der Kommandeur griff zum Funkgerät.

„Leitstelle, Standort Hauptmann Vogel.“

Es dauerte zu lange.

Dann kam die Antwort.

„Nicht auffindbar.“

Seidel wurde schlagartig konzentriert.

„Fahrzeug?“

Wieder Stille.

„Diensttransporter fehlt.“

Mara sah zum Wachposten.

Transporter. Stab.

Mindestens zwei Personen.

Eine Stimme.

Riedel stieß hörbar Luft aus.

„Dann war er es.“

Mara schüttelte den Kopf.

„Nein.“

Alle sahen sie an.

„Warum nicht?“, fragte Brandt.

„Weil es zu sauber ist.“

Riedel verzog das Gesicht.

„Er fehlt. Sein Fahrzeug fehlt. Sein Konto war an der Datei.“

„Und genau das ist das Problem.“

Mara ging einige Schritte über den Pier.

„Jemand hat Riedel belastet. Jemand hat Sie belastet. Jemand hat elektronische Zugriffe manipuliert.“

Sie drehte sich um.

„Warum sollten wir ausgerechnet jetzt glauben, dass Vogel der erste echte Beweis ist?“

Seidel nickte langsam.

„Sie denken, er wurde ebenfalls positioniert.“

„Vielleicht.“

Mara sah auf das dunkle Wasser.

„Oder er rennt vor demselben Menschen weg.“

In diesem Moment rief ein Soldat vom Ende des Piers.

„Major!“

Alle drehten sich um.

Ein kleines Einsatzboot näherte sich mit hoher Geschwindigkeit.

Zwei Soldaten sprangen heraus, noch bevor es vollständig angelegt hatte.

Einer trug einen wasserdichten Beutel.

„Wir haben das vermisste Führungsboot gefunden.“

Seidel trat vor.

„Wo?“

„Etwa drei Kilometer östlich. Treibend.“

„Personen an Bord?“

„Niemand.“

„Schäden?“

Der Soldat sah kurz zu Mara.

„Ja.“

Er öffnete den Beutel und zog ein fotografiertes Beweisblatt heraus.

Darauf war die Steuerkonsole des Bootes zu sehen.

Unterhalb der Anzeigen verlief ein sauber durchtrennter Kabelstrang.

„Die Navigation wurde manipuliert“, sagte er. „Und das ist nicht alles.“

Er zeigte das nächste Bild.

Im Motorraum war eine Leitung markiert.

„Die Kraftstoffzufuhr wurde so präpariert, dass sie unter Last ausfallen sollte.“

Brandt flüsterte:

„Mitten auf See.“

Der Soldat nickte.

„Vermutlich.“

Mara blickte lange auf das Foto.

„Das sollte kein Unfall im Hafen sein.“

„Nein“, sagte Seidel.

„Es sollte passieren, wenn niemand schnell helfen kann.“

Wieder nickte er.

Dann kam ein weiterer Soldat über den Pier gerannt.

„Major, wir haben Hauptmann Vogels Transporter.“

„Wo?“

„Hinter Lagerhalle Vier.“

„Und Vogel?“

Der Soldat schluckte.

„Im Fahrzeug.“

Mara wusste an seinem Gesicht, dass etwas nicht stimmte.

„Lebt er?“

„Ja.“

Eine Sekunde Erleichterung.

Dann:

„Aber er ist bewusstlos.“

Sie liefen.

Der Transporter stand schräg hinter der Halle, die Fahrertür offen.

Vogel lag auf der Seite im Laderaum.

Seine Hände waren mit Kabelbindern gefesselt.

Neben ihm lag eine leere Spritze.

Ein Sanitäter arbeitete bereits an ihm.

Seidel kniete sich hin.

„Kann er reden?“

„Noch nicht.“

Mara blieb an der geöffneten Tür stehen.

Dann bemerkte sie etwas am Boden.

Ein zusammengefaltetes Blatt.

Sie deutete darauf.

„Nicht anfassen.“

Ein Ermittler nahm es mit Handschuhen auf und öffnete es.

Es war eine Kopie des morgigen Ablaufplans.

Eine bestimmte Zeile war rot markiert.

23:40 Uhr – Führungsboot verlässt Nordpier.

Teamleitung: Lt. z. S. König.

Darunter stand handschriftlich:

„Sie sollte nie zurückkommen.“

Riedel, der einige Meter entfernt bewacht wurde, wurde blass.

Brandt sagte nichts mehr.

Mara sah auf die Notiz.

Dann auf Vogel.

Dann auf die Spritze.

„Das ist wieder zu offensichtlich.“

Seidel blickte zu ihr.

„Sie glauben immer noch nicht, dass Vogel dahintersteckt.“

„Nein.“

Sie zeigte auf das Blatt.

„Der Täter will unbedingt, dass wir eine Person finden, auf die alles passt.“

Mara trat näher an den Transporter.

„Die eigentliche Frage ist nicht mehr, wer meinen Namen auf diese Liste gesetzt hat.“

„Sondern?“

Sie sah zum Stützpunkt zurück.

Zu den beleuchteten Verwaltungsgebäuden.

Zu den Menschen, die dort gerade glaubten, sie seien sicher.

„Wer wusste schon vor meiner Ankunft, dass ich die Teamleitung bekommen würde?“

Brandt erstarrte.

Seidel drehte sich langsam zum Kommandeur.

Denn diese Information hatte zu diesem Zeitpunkt nur ein sehr kleiner Kreis gekannt.

Und einer dieser Menschen befand sich seit Beginn der Ermittlungen die ganze Zeit in ihrer Nähe.

**Fortsetzung folgt — klicken Sie auf Teil 5, um weiterzulesen.**

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