Unterhaltung

Sie Verspotteten Die Marineoffizierin Wegen Eines Roten BHs – Doch Dann Enthüllte Sie Ein Tödliches Netzwerk Auf Dem Stützpunkt

Mara las die Nachricht noch einmal.

Kein Boot.

König allein.

Bringen Sie den Bericht von Kiel mit.

Seidel nahm den Sender vom Tisch und reichte ihn einem Techniker.

„Quelle?“

„Verschleiert.“

„Ortung?“

„Nur grob. Küstenbereich.“

Mara sah auf die neue Koordinate.


Wenige hundert Meter vor der Küste.

Zu nah, um eine klassische Übergabe auf See zu sein.

Nah genug, damit jemand vom Land aus beobachten konnte.

„Sie wollen mich sichtbar machen“, sagte sie.

Brandt nickte.

„Und prüfen, ob Sie wirklich allein sind.“

Seidel verschränkte die Arme.

„Dann gehen Sie nicht.“

Mara antwortete nicht sofort.

Sie dachte an Kiel.


An die fehlenden Funkmodule.

An die alte Meldung.

An Kern.

An den Kommandeur.

An Bormann.

An Riedel, der sich durch seine eigenen Erniedrigungen selbst verdächtig gemacht hatte, weil er geglaubt hatte, er könne sie dadurch aus der Übung drängen.

Jeder hatte nur einen Teil gesehen.

Und jemand außerhalb des Stützpunkts hatte offenbar darauf vertraut, dass diese Teile niemals zusammenpassen würden.

„Ich gehe hin“, sagte sie.

Seidel schüttelte sofort den Kopf.


„Nein.“

„Nicht allein.“

„Die Nachricht verlangt genau das.“

„Dann sollen sie glauben, dass ich allein bin.“

Brandt sah zu Seidel.

„Das können wir abdecken.“

„Zu viele unbekannte Variablen.“

Mara zeigte auf den Sender.

„Wenn wir nicht reagieren, verlieren wir den Kontakt.“

„Und wenn wir reagieren, laufen wir möglicherweise in eine vorbereitete Schusslinie.“


„Deshalb gestalten wir den Ort.“

Seidel sah sie an.

„Wie?“

Mara deutete auf die Karte.

„Diese Koordinate liegt vor dem alten Wellenbrecher.“

Brandt nickte.

„Dort gibt es einen kleinen Wartungssteg.“

„Und dahinter eine erhöhte Böschung.“

Mara sah zum Kommandeur.

„Sie kennen das Gelände.“


Der Kommandeur saß inzwischen bewacht an der Wand.

Er sagte nichts.

Mara trat näher.

„Wie viele Zufahrten?“

„Zwei.“

„Verdeckte Sichtlinien?“

Er schwieg weiter.

Seidel sagte:

„Antworten.“

Der Kommandeur hob schließlich den Blick.


„Eine alte Beobachtungsplattform im Osten.“

Mara nickte.

„Gut.“

„Gut?“, fragte Brandt.

„Wenn ich die Person auf der anderen Seite wäre, würde ich genau dort sitzen.“

Bormann, ebenfalls unter Bewachung, lachte leise.

„Sie denken inzwischen wie sie.“

Mara sah ihn an.

„Nein.“

Ihre Stimme blieb ruhig.


„Ich denke nur nicht mehr so, wie sie es von mir erwarten.“

Zwanzig Minuten später war der Plan fertig.

Kein großer Zugriff.

Keine sichtbare Kolonne.

Keine Sirenen.

Zwei kleine Teams wurden außerhalb des direkten Sichtbereichs positioniert.

Brandt übernahm die westliche Seite.

Seidel blieb in der Führung.

Mara trug zivile Kleidung unter einer dunklen Jacke.

In ihrer Innentasche befand sich eine Kopie des alten Kiel-Berichts.


Nicht das Original.

Die entscheidenden Stellen waren echt.

Der Rest präpariert.

„Wenn jemand das Dokument nimmt, lassen Sie ihn“, sagte Seidel.

Mara nickte.

„Wenn jemand auf Sie zukommt, warten Sie auf mein Signal.“

Wieder ein Nicken.

„Wenn Sie auch nur das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt—“

Mara sah ihn an.

„Heute Nacht stimmt seit Stunden nichts.“


Seidel verzog kurz den Mund.

„Sie wissen, was ich meine.“

„Ja.“

Sie ging.

Der Weg zum Wellenbrecher war dunkel.

Nur wenige Lampen brannten.

Der Wind hatte aufgefrischt.

Das Wasser schlug hart gegen die Steine.

Mara ging langsam.

Nicht vorsichtig wirkend.


Nur ruhig.

Als sie den Wartungssteg erreichte, blieb sie stehen.

Niemand da.

Sie wartete.

Eine Minute.

Dann zwei.

Dann vibrierte der kleine Sender in ihrer Tasche.

Neue Nachricht.

„Bericht auf den Boden.“

Mara zog die Mappe heraus und legte sie auf den feuchten Beton.

Nichts geschah.

Dann:

„Drei Schritte zurück.“

Sie gehorchte.

Der Wind zerrte an ihrer Jacke.

Eine dunkle Gestalt löste sich hinter dem Wellenbrecher aus dem Schatten.

Nicht von der Beobachtungsplattform.

Von unten.

Der Mann musste mit einem kleinen Boot gekommen sein.

Er trug eine dunkle Kapuze und Handschuhe.

Kein sichtbares Abzeichen.

Kein Gesicht.

Er ging zur Mappe.

Mara beobachtete seine Bewegungen.

Zu sauber.

Zu diszipliniert.

Militärisch.

Der Mann hob die Mappe auf.

Blätterte nicht.

Er steckte sie direkt unter die Jacke.

Dann sagte er:

„Sie hätten damals aufhören sollen.“

Mara kannte die Stimme nicht.

„Sie hätten damals besser aufräumen sollen.“

Der Mann blieb stehen.

„Sie wissen gar nicht, was Sie gesehen haben.“

„Dann erklären Sie es mir.“

„Nein.“

Er sah zur Küste.

Nur ganz kurz.

Mara bemerkte es.

Er prüfte nicht, ob jemand kam.

Er prüfte einen bestimmten Punkt.

Die östliche Plattform.

Also war dort tatsächlich jemand.

Mara berührte unauffällig mit zwei Fingern ihre Jackentasche.

Signal.

Seidel hörte mit.

Der Mann sagte:

„Kern war immer zu nervös.“

Mara blieb ruhig.

„Und der Kommandeur zu gierig?“

Eine Pause.

„Der Kommandeur war nützlich.“

Das war genug.

Seidel hatte die Aussage.

Mara ging weiter.

„Und Bormann?“

Der Mann lachte leise.

„Bormann hielt sich für klug.“

„Er wollte euch auffliegen lassen.“

„Er wollte sich selbst wichtig machen.“

„Und Riedel?“

„Irrelevant.“

Mara spürte plötzlich Wut.

Nicht auf Riedel.

Auf die Kälte, mit der dieser Mann über alle sprach.

„Er hat wenigstens verstanden, dass jemand sterben könnte.“

„Zu spät.“

Mara sah ihn direkt an.

„Wer sollte sterben?“

Der Mann schwieg.

„Ich?“

Keine Antwort.

„Kern?“

Wieder nichts.

Dann sagte er:

„Sie stellen die falsche Frage.“

Mara kannte den Satz inzwischen.

„Welche ist die richtige?“

Der Mann trat näher.

„Wer sollte danach schuld sein?“

Das traf.

Mara dachte an die Spuren.

Riedel mit dem Datenträger.

Brandt mit dem Foto.

Vogel im Transporter.

Kern auf der Flucht.

Der Kommandeur mit den alten Verbindungen.

Jeder war so positioniert worden, dass er wie der Täter aussehen konnte.

„Alle“, sagte Mara.

Der Mann nickte.

„Jetzt verstehen Sie.“

„Ihr Plan war nie, nur eine Person zu schützen.“

„Nein.“

„Sondern das ganze Netzwerk, indem alle Beteiligten sich gegenseitig belasten.“

„Sehr gut.“

Mara hielt seinen Blick.

„Und das Boot?“

Der Mann antwortete:

„Sollte verschwinden.“

„Mit mir darauf.“

„Mit den richtigen Menschen darauf.“

Mara wurde kalt.

„Wer noch?“

Er sagte nichts.

„Brandt?“

Keine Reaktion.

„Vogel?“

Nichts.

Dann begriff sie.

„Kern.“

Der Mann lächelte.

Kaum sichtbar.

„Kern wusste zu viel.“

Mara atmete langsam aus.

Der sabotierte Einsatz hätte mehrere Probleme gleichzeitig gelöst.

Kern.

Mara.

Vielleicht weitere Zeugen.

Ein Unglück.

Ein verschwundenes Boot.

Niemand hätte mehr sauber trennen können, wer Täter und wer Opfer gewesen war.

„Also sollte Kern ebenfalls sterben.“

„Früher oder später.“

„Und der Kommandeur?“

„Er hielt sich für unverzichtbar.“

Mara sagte leise:

„War er nicht.“

„Niemand ist das.“

Dann kam eine neue Stimme aus dem Dunkel.

„Sie auch nicht.“

Mara drehte den Kopf nicht.

Die Stimme kam von der östlichen Plattform.

Eine zweite Person.

Seidel hatte recht gehabt.

Der Mann vor Mara trat einen Schritt zurück.

„Sie hätten den Bericht einfach vergessen sollen.“

Mara antwortete:

„Das habe ich vier Jahre lang fast getan.“

„Aber jetzt nicht mehr.“

„Nein.“

„Schade.“

Ein roter Lichtpunkt erschien auf Maras Jacke.

Nicht auf der Brust.

Etwas tiefer.

Brandt flüsterte über den kaum sichtbaren Ohrhörer:

„Schütze bestätigt.“

Mara bewegte sich nicht.

Seidels Stimme kam leise:

„Noch nicht.“

Der Mann vor ihr hob die Hand.

„Der Sender.“

Mara zog das Gerät heraus.

„Auf den Boden.“

Sie legte ihn hin.

Der Mann trat darauf.

Knirschen.

Verbindung weg.

Doch das Team hatte längst genug gehört.

„Jetzt die Waffe.“

Mara sah ihn an.

„Ich trage keine.“

„Lüge.“

„Dann kommen Sie und prüfen Sie.“

Der Mann zögerte.

Ein Fehler.

Nur klein.

Aber Mara brauchte nicht mehr.

Auf der Plattform bewegte sich etwas.

Seidel gab das Signal.

Zwei grelle Lichter gingen gleichzeitig an.

Der Schütze auf der Plattform duckte sich.

Brandts Team stürmte von Westen.

Der Mann vor Mara zog eine Pistole.

Mara war schneller.

Sie schlug seinen Waffenarm zur Seite, trat einen halben Schritt aus der Linie und riss ihn mit der eigenen Bewegung aus dem Gleichgewicht.

Ein Schuss krachte in die Nacht.

Ins Wasser.

Der Mann schlug mit der Schulter gegen das Geländer.

Mara packte sein Handgelenk.

Er versuchte, sich zu drehen.

Sie ließ ihn nicht.

Ein zweiter Mann kam vom unteren Steg hoch.

Seidel brüllte:

„Waffe fallen lassen!“

Der Mann hob die Pistole.

Brandt und zwei Soldaten nahmen ihn gleichzeitig ins Visier.

Er blieb stehen.

Dann ließ er sie fallen.

Innerhalb von Sekunden war es vorbei.

Der erste Mann lag auf den Knien.

Hände hinter dem Rücken.

Mara stand über ihm.

„Name.“

Er lachte.

„Sie glauben immer noch, ein Name löst Ihr Problem.“

Seidel kam näher.

„Er löst zumindest Ihres.“

Der Mann sagte nichts.

Ein Soldat zog ihm die Kapuze herunter.

Mara kannte das Gesicht nicht.

Seidel jedoch schon.

Seine Miene veränderte sich.

„Oberstleutnant Reimers.“

Brandt blickte ihn an.

„Sie kennen ihn?“

Seidel nickte langsam.

„Früher Beschaffung.“

Mara sah zu Reimers.

Da war der Empfänger.

Nicht irgendein fremder Kontakt.

Jemand aus dem System.

Jemand, der wusste, wie Material beschafft, verschoben, abgeschrieben und verschwinden gelassen werden konnte.

„Sie haben die Funkmodule übernommen“, sagte Mara.

Reimers antwortete nicht.

„Kern hat die technische Spur gelöscht.“

Schweigen.

„Der Kommandeur organisierte den Transport.“

Noch immer nichts.

„Und Sie haben sie weitergegeben.“

Reimers lächelte.

„Beweisen Sie es.“

Seidel nahm ihm die Mappe ab.

„Das werden wir.“

Doch Mara sah etwas anderes.

Reimers wirkte nicht verzweifelt.

Nicht einmal überrascht.

Er war zu ruhig.

„Seidel.“

Der Major sah zu ihr.

„Was?“

„Er hat mit dem Zugriff gerechnet.“

Reimers’ Lächeln verschwand.

Mara trat näher.

„Sie wollten gefasst werden.“

Brandt sah sie irritiert an.

„Warum sollte er das wollen?“

Mara blickte auf die präparierte Mappe.

Dann auf Reimers.

„Weil das hier nicht die Abholung war.“

Reimers sagte nichts.

Mara wusste, dass sie richtiglag.

„Die Nachricht sagte ‚Abholung vorziehen‘.“

Sie sah zur Küste.

„Aber was wurde abgeholt?“

Seidel erstarrte.

Mara drehte sich vollständig zum Stützpunkt.

Dort, hinter ihnen, gingen plötzlich mehrere Lichter aus.

Nicht alle.

Nur ein Gebäudeblock.

Das Archiv.

Brandt griff zum Funkgerät.

„Stützpunkt, Status!“

Keine Antwort.

Dann kam eine andere Stimme.

Hektisch.

„Einbruch im gesicherten Beweisraum!“

Seidel wurde blass.

„Was fehlt?“

Rauschen.

Dann:

„Der Datenträger aus Riedels Jacke.“

Mara schloss kurz die Augen.

Natürlich.

Die Übergabe am Wellenbrecher war Ablenkung gewesen.

Während alle Aufmerksamkeit auf sie gerichtet war, hatte jemand versucht, den wichtigsten physischen Beweis aus dem Stützpunkt zu holen.

Reimers begann wieder zu lächeln.

„Sie sind gut, König.“

Mara sah ihn an.

„Aber?“

„Sie waren immer noch dort, wo wir Sie haben wollten.“

Seidel packte ihn am Kragen.

„Wer ist im Stützpunkt?“

Reimers schwieg.

Mara dachte an alle Personen.

Kern.

Noch nicht gefunden.

Der Kommandeur.

Festgesetzt.

Bormann.

Festgesetzt.

Vogel.

Im Sanitätsbereich.

Faber.

Im OP.

Riedel.

Bewacht.

Dann traf es sie.

„Derjenige braucht keinen gefälschten Zugang.“

Brandt sah sie an.

„Was meinen Sie?“

„Er ist bereits autorisiert.“

Seidel verstand.

„Jemand aus der Ermittlungsstruktur.“

Mara nickte.

Und dann erinnerte sie sich an den ersten Abend.

Drei Offiziere waren mit dem Kommandeur in die Kneipe gekommen.

Nur zwei hatten sich später als Mitarbeiter des Militärischen Abschirmdienstes ausgewiesen.

Der dritte war die ganze Nacht kaum aufgefallen.

Er hatte Beweise getragen.

Türen geöffnet.

Riedels Jacke durchsucht.

Und den Datenträger als Erster in der Hand gehabt.

Mara sah Seidel an.

„Wo ist der dritte Offizier aus der Kneipe?“

Seidels Gesicht wurde leer.

„Hauptmann Lorenz.“

„Wo ist er?“

Seidel griff zum Funkgerät.

Keine Antwort.

Noch einmal.

„Lorenz, melden.“

Stille.

Reimers lachte leise.

Mara rannte bereits zum Fahrzeug.

Als sie den Stützpunkt erreichten, stand die Tür zum Beweisraum offen.

Drinnen lag ein Wachposten bewusstlos am Boden.

Der Schrank war aufgebrochen.

Der Datenträger fehlte.

Doch auf dem Tisch lag etwas.

Ein roter BH.

Derselbe aus der Kneipe.

Sauber aus dem Beweisbeutel genommen.

Daneben ein Zettel.

Mara las ihn.

„Sie haben die falsche Geschichte verfolgt.“

Brandt fluchte.

Seidel sah sich um.

Mara nicht.

Sie sah auf den BH.

Dann auf den leeren Platz des Datenträgers.

Und plötzlich verstand sie, warum Riedel von Anfang an so perfekt als Ablenkung funktioniert hatte.

Jemand hatte nicht nur seine Vorurteile benutzt.

Jemand hatte sie gefüttert.

Verstärkt.

Vielleicht sogar den BH platziert.

Riedel war schuldig an seiner eigenen Demütigung und Belästigung.

Aber jemand anderes hatte genau gewusst, wie berechenbar er war.

Mara drehte sich zu Seidel.

„Lorenz wusste, was Riedel tun würde.“

„Woher?“

„Weil er ihn beobachtet hat.“

Brandt fragte:

„Seit wann?“

Mara blickte auf die alte Akte.

„Vielleicht nicht erst seit dieser Woche.“

Das Funkgerät knackte.

Eine Stimme vom Haupttor.

„Fahrzeugdurchbruch! Schwarzer Dienstwagen Richtung Ostzufahrt!“

Seidel rief:

„Kennzeichen!“

Die Antwort kam sofort.

Es war Lorenz’ Wagen.

Mara sah auf die Karte.

Ostzufahrt.

Von dort führte die Straße direkt zur Küste.

Und weiter zu einem kleinen militärischen Anleger außerhalb des Hauptgeländes.

Reimers hörte es ebenfalls.

Zum ersten Mal verschwand seine Ruhe.

Mara sah das.

„Er sollte nicht fliehen.“

Reimers sagte nichts.

„Er sollte den Datenträger bringen.“

Sein Gesicht verriet ihn.

Seidel wandte sich an seine Leute.

„Alle verfügbaren Kräfte zur Ostzufahrt!“

Mara schüttelte den Kopf.

„Nein.“

„Was?“

„Wenn Lorenz den Datenträger bringt, führt er uns zum letzten Übergabepunkt.“

Seidel sah sie an.

„Sie wollen ihn verfolgen.“

„Nicht sichtbar.“

Brandt verstand.

„Er glaubt, die Ablenkung hat funktioniert.“

Mara nickte.

Dann sah sie zu Reimers.

„Und diesmal sollen sie glauben, dass sie gewonnen haben.“

Wenige Minuten später verschwand Lorenz’ Wagen auf der Küstenstraße.

Mit Abstand folgte ein unbeleuchtetes Fahrzeug.

Mara saß vorne.

Brandt neben ihr.

Seidel koordinierte im Hintergrund.

Niemand sprach.

Nach sechs Kilometern bog Lorenz auf einen schmalen Zufahrtsweg ab.

Dann hielt er.

Nicht an einem Anleger.

Vor einem verlassen wirkenden Wartungsgebäude.

Mara beobachtete durch das Fernglas.

Lorenz stieg aus.

Der Datenträger in der Hand.

Die Tür des Gebäudes öffnete sich.

Eine Person trat heraus.

Mara hielt den Atem an.

Sie kannte diese Gestalt.

Nicht aus Kiel.

Nicht aus den Akten.

Aus dieser Woche.

Die Person trat ins Licht.

Kapitänleutnant Matthias Kern.

Lebendig.

Unverletzt.

Nicht auf der Flucht.

Er wartete.

Lorenz gab ihm den Datenträger.

Brandt flüsterte:

„Da ist unser Beweis.“

Doch Mara bewegte sich nicht.

Denn Kern nahm den Datenträger nicht, um zu fliehen.

Er öffnete ihn.

Zog etwas Kleines heraus.

Eine Speicherkarte.

Dann zerbrach er den restlichen Datenträger unter seinem Stiefel.

Lorenz sagte etwas.

Zu leise.

Kern antwortete.

Mara konnte es nicht hören.

Dann öffnete sich hinter ihnen eine zweite Tür.

Eine weitere Person trat heraus.

Der Kommandeur.

Brandt erstarrte.

„Unmöglich.“

Mara verstand sofort.

Der Mann, den sie auf dem Stützpunkt festgesetzt hatten, war also nicht mehr dort.

Entweder hatte jemand ihn befreit.

Oder seine Festsetzung war von Anfang an Teil des Plans gewesen.

Der Kommandeur ging auf Kern zu.

Lorenz reichte ihm die Speicherkarte.

Und Mara begriff endlich, was der wahre Kern der ganzen Operation gewesen war.

Nicht die alten Funkmodule.

Nicht die Übung.

Nicht einmal ihr Tod.

Der Datenträger enthielt offenbar etwas, das alle bisherigen Beteiligten überführte.

Etwas, das seit Jahren geschützt worden war.

Kern hielt die Speicherkarte hoch.

Der Kommandeur sagte deutlich genug, dass Maras Richtmikrofon die Worte auffing:

„Wenn das weg ist, gibt es keinen Fall mehr.“

Mara sah zu Brandt.

„Jetzt.“

Brandt gab das Signal.

Scheinwerfer gingen an.

Feldjäger traten aus mehreren Richtungen hervor.

„Waffen weg! Hände sichtbar!“

Lorenz erstarrte.

Der Kommandeur fluchte.

Kern hingegen reagierte anders.

Er lächelte.

Dann hob er die Speicherkarte zwischen zwei Fingern.

„Sie wollen den Fall?“

Mara trat aus der Dunkelheit.

„Ja.“

Kern sah sie an.

„Dann kommen Sie und holen Sie ihn.“

Und bevor jemand reagieren konnte, hielt er die kleine Karte über eine brennende Metalltonne neben der Tür.

Mara sah die Flamme.

Die Karte.

Seine Hand.

Vier Jahre Schweigen.

Eine Nacht voller falscher Spuren.

Und nur noch wenige Zentimeter zwischen der Wahrheit und dem Feuer.

**Fortsetzung folgt — klicken Sie auf Teil 9, um weiterzulesen.**

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