Markus schloss die Tür des Krankenzimmers hinter sich, doch seine Worte blieben zwischen uns hängen wie ein Schuss.
„Ein Mitglied der Familie Mertens.“
Ich sah durch die Glasscheibe zu Emilia. Ihr blasses Gesicht hob sich kaum vom weißen Kopfkissen ab.
„Wer?“
„Der Nachrichtendienst hat den Namen noch nicht freigegeben“, sagte Markus. „Wir wissen bisher nur, dass der Verdächtige Zugriff auf Ihre persönlichen Dienstpläne, Finanzunterlagen und Emilias Adresse nach der Scheidung hatte.“
Mein Magen zog sich zusammen.
Nur eine Handvoll Menschen hatte Zugang zu solchen Informationen.
Mit zitternden Fingern öffnete ich Emilias Umschlag.
Lukas,
wenn du das hier liest, ist mir etwas passiert.
Ich hielt den Atem an.
Sie hatte weitergeschrieben:
Ich weiß, dass du mich über den wahren Grund belogen hast, warum du gegangen bist. Ich habe die Belege deiner geheim eingestuften Dienstreisen gefunden, die du zu vernichten vergessen hast. Ich weiß, dass du mich beschützen wolltest. Aber jemand anderes weiß es ebenfalls.
Meine Augen brannten.
Emilia hatte es gewusst.
Sie hatte mich glauben lassen, sie würde mich hassen, weil sie verstanden hatte, was ich zu tun versuchte.
Die nächste Zeile brachte mich beinahe zum Zusammenbrechen.
Deine Mutter war bei mir.
Ich starrte auf das Papier.
Meine Mutter, Viktoria Mertens, hatte mir erzählt, sie habe seit der Scheidung nicht mehr mit Emilia gesprochen.
Emilias Brief zufolge war Viktoria jedoch immer wieder bei ihr aufgetaucht – mit Lebensmitteln, Vitaminen und dem Angebot, ihr „zu helfen“.
Dann war Emilia krank geworden.
„Sie hat meiner Mutter vertraut“, flüsterte ich.
Markus’ Gesicht verhärtete sich.
Bevor ich den Brief zu Ende lesen konnte, beschleunigte sich plötzlich der Rhythmus des Monitors neben Emilias Bett.
Eine Pflegekraft eilte ins Zimmer.
Emilias Augenlider flatterten.
Dann öffnete sie die Augen.
„Lukas?“
Im nächsten Moment stand ich an ihrem Bett.
„Ich bin hier.“
Ihre Finger griffen schwach nach meinem Ärmel.
„Du hättest nicht kommen dürfen.“
„Ich hätte dich niemals verlassen dürfen.“
Plötzlich trat Angst in ihr erschöpftes Gesicht.
„Hör mir zu. Deine Mutter ist nicht diejenige, vor der du Angst haben solltest.“
Ich erstarrte.
Emilias Blick wanderte in Richtung Flur.
„Sie hat versucht, mich zu warnen.“
„Vor wem?“
Bevor Emilia antworten konnte, klingelte Markus’ Handy erneut.
Diesmal stellte er den Anruf auf Lautsprecher.
„Herr Oberstleutnant Mertens“, sagte ein Mitarbeiter des Nachrichtendienstes, „wir haben den Verdächtigen bestätigt.“
Mir wurde eiskalt.
„Die Person hat Viktoria Mertens’ Zugangsdaten benutzt, um auf geschützte Dateien zuzugreifen.“
„Wer?“
Eine kurze Pause.
Dann kam die Antwort.
„Ihr jüngerer Bruder, Nathan.“
Emilia begann zu weinen.
Doch Markus wirkte noch beunruhigter.
„Herr Oberstleutnant“, flüsterte er und starrte auf das Kamerabild aus dem Bereich vor den Aufzügen, „Nathan Mertens hat gerade das Krankenhaus betreten.“
Und er war nicht allein.
**Fortsetzung folgt — klicke auf Teil 3, um weiterzulesen.**







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