Unterhaltung

Vor 1.040 Soldaten Schlug Ein Oberstleutnant Eine Stille Hauptfrau – Doch Sie Senkte Den Kopf Nicht

Das Notlicht tauchte den Konferenzraum in ein kaltes rotes Flackern.

Für einen Augenblick bewegte sich niemand.

Dann sprach ich in mein Funkgerät.

„Reuter, sichern Sie Graf. Niemand verlässt den Bereich.“

„Bereits dabei.“

Hinter mir befahlen die Feldjäger allen Anwesenden, die Hände sichtbar zu halten.

Albrecht saß weiterhin ruhig am Tisch.

Zu ruhig.

„Das war Ihr Plan?“, fragte ich.

„Sie überschätzen mich.“


„Nein. Ich glaube, ich habe Sie bisher unterschätzt.“

Sein Blick wanderte kurz zur Tür.

Nicht zur Haupttür.

Zur schmalen Seitentür neben der Projektionswand.

Ich sah die Bewegung.

Einer der Feldjäger ebenfalls.

Er trat sofort davor.

Albrecht lächelte nicht mehr.

Das Gebäude blieb im Alarmzustand.

Doch der Ton war seltsam.


Kein Feueralarm.

Keine Evakuierungsdurchsage.

Nur ein technischer Dauerton.

„Manipuliert“, sagte Berger.

Ich nickte.

„Jemand versucht, Abläufe zu erzwingen.“

Mein Funkgerät knackte.

Reuter.

„Hartmann, Graf ist sicher. Aber der Mann, der ihn holen wollte, trug einen gültigen Feldjägerausweis.“

„Name?“


Kurze Pause.

„Der Ausweis gehört zu einem Mann, der seit acht Monaten im Ruhestand ist.“

Ich sah Albrecht an.

„Wie viele falsche Identitäten haben Sie vorbereitet?“

Er lehnte sich zurück.

„Sie haben noch immer keine Beweise, die vor einem Gericht Bestand haben.“

„Vielleicht.“

Ich legte mein Telefon auf den Tisch.

„Aber Sie reagieren erstaunlich nervös auf Dinge, die angeblich nichts bedeuten.“

Er antwortete nicht.


Dann kam eine neue Meldung.

Der IT-Spezialist im Nebenraum hatte trotz des Alarms Zugriff auf die gesicherte Kopie von Grafs Datenträger.

„Hauptfrau, wir haben in den Zahlungsdateien etwas gefunden.“

„Sprechen Sie.“

„Drei Beratungsfirmen. Alle empfangen regelmäßig Geld aus Unterkonten, die mit Ausbildungsprojekten verknüpft sind.“

„Eigentümer?“

„Zwei Firmen laufen über Strohleute.“

„Und die dritte?“

Stille.

„Der wirtschaftlich Berechtigte ist Dr. Martin Albrecht.“


Mehr brauchte es nicht, um die Atmosphäre im Raum zu verändern.

Die Offiziere am Tisch sahen ihn jetzt anders an.

Albrecht sah mich an.

„Das ist Unsinn.“

„Dann wird die Finanzprüfung Ihnen Gelegenheit geben, das zu erklären.“

Berger trat neben mich.

„Dr. Albrecht, bis zur Klärung bleiben Sie hier.“

Da lachte Albrecht leise.

„Sie glauben wirklich, es geht um Geld?“

„Worum dann?“


„Geld war nur das Schmiermittel.“

Er sah in die Runde.

„Das Problem dieses Landes ist nicht, dass seine Soldaten schlecht sind.“

Niemand sagte etwas.

„Das Problem ist, dass Systeme zu langsam sind. Prüfungen dauern. Freigaben dauern. Entscheidungen dauern.“

„Also haben Sie Qualifikationen gefälscht“, sagte ich.

„Ich habe Einsatzfähigkeit hergestellt.“

Berger schüttelte den Kopf.

„Sie haben Menschen gefährdet.“

„Ich habe Verbände verfügbar gemacht.“


„Neun Tote“, sagte ich.

Zum ersten Mal veränderte sich sein Gesicht.

Nur ganz leicht.

„Verluste gehören zum Dienst.“

Der Satz traf den Raum härter als jeder Schrei.

„Nicht, wenn sie durch gefälschte Freigaben entstanden sind.“

Albrecht hob das Kinn.

„Das werden Sie niemals beweisen.“

Mein Funkgerät knackte erneut.

Diesmal war es Graf.


Seine Stimme klang schwach, aber klar.

„Doch.“

Albrechts Augen wurden schmal.

„Obermaat Graf“, sagte ich.

„Ich habe noch eine Datei.“

„Welche?“

„Nachtfalke war nicht nur eine Tabelle.“

„Es gab Besprechungen. Videoaufzeichnungen. Keller hat alles aufzeichnen lassen, um sich selbst abzusichern.“

Berger sah mich an.

„Wo sind sie?“


„Auf dem Datenträger. Versteckter Container. Kennwort ist die Kennung des ersten gefallenen Teams.“

Der IT-Spezialist hörte mit.

Albrecht stand plötzlich auf.

Vier Waffen richteten sich auf ihn.

„Setzen Sie sich“, befahl ein Feldjäger.

Albrecht blieb stehen.

„Sie haben keine Ahnung, was Sie da öffnen.“

„Setzen Sie sich.“

Langsam nahm er wieder Platz.

Der versteckte Container öffnete sich.


Wir öffneten die älteste Videoaufnahme.

Ein Konferenzraum.

Keller.

Vollmer.

Albrecht.

Und zwei weitere Männer.

Einer davon war der noch unbekannte Mann vom Foto.

Der andere saß mit dem Rücken zur Kamera.

Albrechts Stimme kam aus den Lautsprechern.

„Wir können nicht jedes Mal warten, bis alle Zertifizierungen vollständig sind. Wenn ein Verband gebraucht wird, wird er freigegeben.“

Keller antwortete:

„Und wenn etwas passiert?“

„Dann war es ein Einsatzrisiko.“

Das Video sprang weiter.

Eine zweite Aufnahme.

Vollmer sprach.

„Stein macht Schwierigkeiten. Er genießt die Strafmaßnahmen zu sehr.“

Albrecht erwiderte:

„Dann benutzen Sie seine Schwäche. Solange er Beschwerden unterdrückt, erfüllt er seinen Zweck.“

Ich sah Albrecht an.

Sein Gesicht war jetzt vollkommen ausdruckslos.

Der nächste Mitschnitt war nur drei Wochen alt.

Diesmal erkannte ich den Raum.

Steins Büro.

Albrecht stand am Fenster.

„Hartmann kommt.“

Vollmer fragte:

„Woher wissen Sie das?“

„Weil ich die Einsatzanordnung gesehen habe.“

Damit war endgültig bewiesen, wer meine Prüfung verraten hatte.

Albrecht fuhr fort:

„Wir geben ihr eine Fälschung. Wenn sie aggressiv reagiert, wird daraus Amtsmissbrauch. Wenn sie vorsichtig ist, bringen wir die Gefangenen ins Spiel.“

„Und Stein?“

„Stein soll tun, was er immer tut.“

Die Aufnahme endete.

Niemand sprach.

Der Schlag auf dem Exerzierplatz war also nicht geplant gewesen.

Aber Albrecht hatte gewusst, dass Markus unberechenbar war.

Er hatte mit seiner Arroganz gerechnet.

Mit seiner Gewalt.

Mit seinem Bedürfnis, andere vor Publikum zu erniedrigen.

Menschen wie Markus glaubten, sie benutzten Macht.

In Wahrheit hatte jemand ihre Schwächen benutzt.

Dann öffnete sich die Seitentür.

Alle Waffen schwenkten herum.

Ein Mann trat langsam herein.

Major Henrik Vollmer.

Lebend.

Albrecht wurde blass.

Vollmer sah zuerst mich an.

Dann Berger.

„Ich stelle mich.“

„Warum jetzt?“, fragte ich.

„Weil Sie endlich genug haben, um ihn festzuhalten.“

Albrecht schnaubte.

„Feigling.“

Vollmer ignorierte ihn.

„Aber bevor Sie glauben, damit sei es vorbei, müssen Sie wissen, warum Keller heute nicht hier erschienen ist.“

Berger trat vor.

„Wo ist er?“

Vollmer schluckte.

„Auf dem Weg nach Calw.“

„Warum?“

„Weil dort noch ein Server steht.“

„Mit welchen Daten?“

Vollmer sah mich an.

„Mit den ursprünglichen Einsatzfreigaben. Den echten.“

Reuter meldete sich sofort über Funk.

„Hartmann, wir haben gerade einen unbefugten Zugriff im Stabsgebäude.“

Ich stand bereits an der Tür.

„Keller?“

„Kamera bestätigt ihn.“

„Sperren Sie das Gebäude.“

Eine Pause.

Dann Reuters Stimme.

„Zu spät.“

„Was meinen Sie?“

„Der Serverraum brennt.“

Ich sah zu Vollmer.

Er wurde kreidebleich.

„Wenn dieser Server vernichtet wird“, sagte er, „kann Albrecht behaupten, alle anderen Dateien seien manipuliert.“

Albrecht lehnte sich zurück.

Und zum ersten Mal seit Minuten lächelte er wieder.

„Dann sollten Sie sich beeilen, Hauptfrau.“

Ich ging auf ihn zu.

„Nein.“

Sein Lächeln stockte.

„Sie sollten hoffen, dass Keller nicht auch noch den letzten Fehler macht.“

„Welchen?“

Ich sah ihm direkt in die Augen.

„Zu glauben, dass ich nur eine Kopie suche.“

Fortsetzung folgt — klicke auf Teil 9, um weiterzulesen.

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