Unterhaltung

Das kleine Mädchen ruinierte die Schuhe des Mafiabosses – dann zeigte ihre Wachsmalzeichnung einen bewaffneten Mann vor seinem Tor

Das kleine Mädchen ruinierte aus Versehen die teuren Schuhe eines gefürchteten Mafiabosses – und jeder hätte erwartet, dass er vor Wut explodiert. Doch nur Sekunden später zog sie eine Zeichnung mit Wachsmalstiften hervor, die den bewaffneten Verräter entlarvte, der vor seinem eigenen Tor wartete ... und plötzlich änderte sich alles.
Der Krieg in Hamburg war drei Tage früher beendet worden als geplant, also kehrte ich unangekündigt nach Berlin zurück. Kein Wagenkonvoi, keine Vorankündigung, keine Bediensteten, die unter den hell erleuchteten Fenstern der Villa auf mich warteten.
Ich nahm die schmale Seitentür, die ich schon als leichtsinniger Teenager benutzt hatte, damals, als ich meinen Vater noch mehr fürchtete als den Tod.
Auf halbem Weg durch den Dienstbotengang hörte ich ein Kratzen.
Dann ein leises Summen.
Ich folgte dem Geräusch bis zum Schuhputzraum – und blieb wie angewurzelt stehen.
Sophie Weber stand auf einem Holzhocker. Ihre dunklen Locken hingen ihr wirr ins Gesicht, die Ärmel ihres Schlafanzugs hatte sie bis über die Ellenbogen hochgeschoben. Schwarze Schuhcreme bedeckte ihre kleinen Hände, eine Wange und sogar ihre Nasenspitze, während sie mit verbissener Entschlossenheit einen meiner Oxford-Schuhe bearbeitete.
Neben ihr saß ihr abgewetzter Teddybär wie ein schweigender Aufseher.
Unter meinen Füßen knarrte der Boden.
Sophie fuhr herum, ließ die Dose mit der Schuhcreme fallen und wäre beinahe vom Hocker gestürzt. In dem Moment, in dem sie mich erkannte, wich jede Farbe aus ihrem Gesicht.

„Es tut mir leid, Herr Romano“, flüsterte sie und ging hastig auf die Knie. „Ich mach es sauber. Bitte schicken Sie uns nicht weg.“
Hektisch rieb sie über den Boden und verteilte den schwarzen Fleck dabei nur noch weiter.
„Hör auf.“
Meine Stimme durchschnitt den Raum wie ein Schuss.
Sophie zuckte so heftig zusammen, dass Wut in mir hochstieg – nicht auf sie, sondern auf denjenigen, der diesem Kind beigebracht hatte, sich schon vor einem einzigen Wort von mir zu fürchten.
Ich ging in die Hocke, bis unsere Augen auf gleicher Höhe waren. „Wo ist deine Mutter?“
„Mama ist krank.“ Mit einem von Schuhcreme geschwärzten Finger berührte sie ihre Stirn. „Sie ist ganz heiß.“
Mein Kiefer spannte sich an.
„Mama hat im Schlaf immer wieder gesagt, dass sie morgen Ihre Schuhe putzen muss“, fuhr Sophie fort. „Sie hat gesagt, wenn sie nicht arbeitet, verlieren wir unser Zuhause.“
Ihre Lippen zitterten, doch sie weigerte sich zu weinen.

„Also hab ich es für sie gemacht“, sagte sie. „Ich hab ganz oft zugesehen. Erst bürsten, dann schwarze Creme und dann Kreise. Ich bin jetzt schon groß.“
Ich hatte mächtige Männer um ihr Leben betteln sehen, ohne dabei auch nur das Geringste zu empfinden. Doch dieses Kind war aus seinem Bett geschlichen, um seine Mutter zu beschützen – mit nichts als einem Lappen und zwei zitternden Händen –, und ich bekam kaum noch Luft.
Sie hielt den ruinierten Schuh hoch. „Ist er schön geworden, Herr Romano?“
Bevor ich antworten konnte, glitt ein zusammengefaltetes Blatt Papier aus ihrer Schlafanzugtasche.
Darauf war mit Wachsmalstiften das Eingangstor meiner Villa gezeichnet. Daneben stand ein Mann, der etwas Langes, Schwarzes in den Händen hielt. Über sein Gesicht hatte Sophie ein großes rotes X gekritzelt.
Sophie zeigte zum Fenster.
„Das ist der böse Mann“, flüsterte sie. „Er hat Mama gesagt, dass Sie heute Abend nicht nach Hause kommen sollten.“
Ich erkannte ihn sofort.
Es war der Wachmann, dem ich mehr vertraute als jedem anderen.
Dann erloschen draußen die Lichter.


**Fortsetzung folgt — klicke auf Teil 2, um weiterzulesen.**

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